Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Aber auch weiter, bei dem großen Verstand, mit welchem die Juden begabt sind, wird jeder irgend nachdenkliche Israelit so viel Einsicht haben, daß er zugiebt, der Messias könne zuerst nicht mit der Erfüllung aller Hoffnungen unter seinem Volk einkehren; denn es wäre sonst unerklärlich, warum dasselbe so wenig seinen Dienst schätzen sollte. Und also muß doch, wie es ja die Schrift nicht allein an dieser Stelle andeutet, in der Erscheinung dieses Hirten etwas sein, was den bösen Sinn und die Undankbarkeit gegen ihn erregt. So aber betrachte Israel noch einmal unfern Jesus Christus, welchen wir den Hirten des Sacharjah nennen, und an dem sich ja Alles erfüllt hat, was hier geschrieben steht. Vor Allem prüfe Israel sein Herz und frage sich, ob nicht der Sinn in ihm lebt, welcher alles Mögliche von Gott fordert, aber von unverdienter Wohlthat in den verflossenen Zeiten nichts wissen will. Haben nicht die Juden auch unserer Tage nur Klage, wenn sie der Vergangenheit gedenken? Dankbarkeit in der Noth der Zeit soll Israel, nach Sacharjahs Wort, doch gegen seinen Hirten beweisen. Der Noth kann es nicht entgehn, aber es soll fragen, wie es in dieselbe gerathen ist. Israel soll erkennen, daß es nicht von ungefähr, auch nicht allein durch die Schuld der Völker, sondern durch Schuld seiner Sünde in sein Elend gestürzt ist. Darum hat es keinen Gnind zu klagen, wenn es die Gerichte der übrigen Menschheit doppelt erleidet. „ Warum murren denn die Leute im Leben also? Ein Jeglicher murre wider seine Sünde '• spricht der Prophet Jeremia (Klagelieder 3, 39). Beschämung soll es Israel erwecken, wenn es trotz seiner Sünde einen treuen Hirten findet, und wenn dieser treue Hirt die Herzen erforscht, ob Reue und Buße, der beste Dank, in ihnen sich finde, damit er alsdann auch die Verheißungen, welche von Israels Herrlichkeit handeln, erfüllen könne. Bis jetzt hören wir in Israel wohl ein Seufzen über das irdische Elend, welches theilweise sogar übertrieben wird; bis jetzt klagt der orthodoxe Theil des Volks zwar über die Zerstörung Jerusalems und die Verbannung aus dem heiligen Lande, aber davon merken wir nichts, daß es in solchem Ergehn vie Folgen der Undankbarkeit gegen den Hirten Jehovahs erkennte. Deßhalb kommt Israel auch nicht zur