Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Das darf auch den Juden der heutigen Tage nichts Neues sein; sie wissen ganz gut, daß ihr Altes Testament spricht: „ Gott ist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt, wer böse ist, bleibt nicht vor ihm." (Psalm 5, 5.) Und nun hört Israel aus dem Munde des Propheten, daß es seinen Hirten schmählich ablohnen werde. Ueber den Hirten haben wir schon vorhin Weiteres herbeigebracht. Es bleibt uns nur übrig die Person des Hirten, welcher die schließliche Ablehnung erfährt, zu bestimmen oder zu nennen. Unter welchen Umständen derselbe erscheint und welche Umstände Israels Herz zum Undank veranlassen, ist schon ausgeführt worden. Nun hören wir freilich heute wie in den Tagen Christi die Behauptung unter den Israeliten, daß wenn der Messias in seiner Herrlichkeit kommenwürde, alsdann auch sein ganzes Volk ihm zufallen werde. Abgesehn davon, daß selbst der Talmud sich vom Messias zu lehren genöthigt sieht, daß er voll Aussatzes zuerst an den Thoren Roms sitzen und von seinem Volk Anfangs nicht werde erkannt werden, und angenommen, daß der Messias nur in Herrlichkeit erscheinen wolle, so bleibt trotzdem aus der Weissagung des Sacharjah dies bestehn, daß der Hirt Jehovahs von seinem Volk werde verworfen werden. Israel mag also versuchen, um die Person Jesu herum zu kommen, eben so schlimm wie diesem würde es dennoch seinem noch erwarteten Messias begegnen, wenn die Schrift, auf welche sich die Hoffnungen von einem Messias stützen, nicht Lügen geredet hat. Oder wenn Israel antworten wollte: „Wir geben zu, daß Anfangs der Messias von uns nicht mit Dank ausgenommen werden wird, aber darnach werden wir ihn doch mit Freuden empfangen," so stellen wir eine weitere Frage. Kann der Messias seine Herrlichkeit wohl eher offenbaren oder kann er Israel früher zur Herrlichkeit erheben, als bis der Geist der Undankbarkeit von dem Volke gewichen ist? Bleibt daher diese Bedingung nicht in jedem Falle? Wie lange Zeit der Geist der Undankbarkeit Israel gefangen halten werde, davon sagt nun die Schrift nichts; nur daß gewiß zuerst mit Undank dem Hirten begegnet werden wird.