Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Als die Menschheit in der Periode, .welche die 3 Monate des Sacharjah und noch mehr die daran sich schließende Folgezeit meinen, nach und nach die Sittlichkeit zu verlassen begann, verließ sie damit auch Gott. Ward sie „in ihrer Seele," innerlich des Gesetzes, welches dem Gewissen eingeschrieben ist, überdrüssig, so ward sie Gottes überdrüssig. Und diesen tiefsten Grund der Zerreißung des Verhältnisses zwischen dem Hirten und seiner Heerde deckt hier das Wort des Propheten auf. Nicht oberflächlich erzählt er nur die Geschichte nach den äußeren Thatsachen, sondern lehrt denselben auf den Grund blicken und die Bedeutung der wechselnden Ereignisse erkennen, über welche der Witz und der Scharfsinn und der Verstand doch nur Zeitgedanken ohne ewigen Inhalt und ewige Wahrheit aussprechen. „Sie wurden meiner überdrüssig, und ich wurde über sie ungeduldig " spricht der Hirt. Die immer neu sich wiederholenden Ansätze, den schädlichen Mächten ein Ende zu setzen, sollten nunmehr aufhören. Es ist nicht des Hirten Art seine Wohlthaten aufzuzwingen: läßt man sich seine Führungen nicht gefallen, so tritt er ab. Hat in der Heerde die hastige Willkür den Trieb, rasch mehr zu erlangen und das Maaß des Genusses unordentlich zu überschreiten, so überläßt der Hirt die Heerde sich selbst. Er entbindet dann die Todesmächte, welche nur er zurückgehalten und nur er zurückhalten konnte, und läßt dieselben frei ihre Schrecken ausüben. Da tritt denn ein, was V. 9 sagt; V. 6 enthält dasselbe, und so braucht nicht näher auf den V. 9 eingegangen zu werden. Was dort als Entschluß Jehovahs angekündigt wird, kommt hier durch den Hirten zur Ausführung. In Wirklichkeit wird nun die Heerde ihrem Schicksal überlassen bleiben: dem Umkommen, dem Verkommen und der gegenseitigen Zerfleischung. Zum Zeichen dessen nimmt der Hirt in der Weissagung den ersten Stab „Huld" und zerbricht ihn, vernichtet aber auf diese Weise den Bund, welchen er mit allen Völkern geschlossen hatte. Daß unter diesem Bunde nicht der Bund mit Noah gemeint wird, ist offenbar; der Bund mit Noah handelt von der Ordnung, welche für die Erde gilt, so lange sie besteht, und nicht von den Geschicken, welche der Menschheit aus ihrer eigenen Mitte erwachsen.