Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Der Hirt muß klagen, daß die Heerde seiner überdrüssig wurde, und die Thatsachen der Geschichte bestätigen es. Schnell nach einander standen große Eroberer auf, welche ihre Völker in stets neue Kriege verwickelten. Das Blut derselben düngte .die Schlachtfelder, Tausende und aber Tausende wurden durch das Gelüst der Tyrannen hinweggerafft, und dennoch änderte sich der Sinn der Menschen nicht. Gewalt nach Außen und Erstickung der Freiheit nach innen gingen Hand in Hand, wenn die großen Eroberer ihre Reiche und ihre Macht immer weiter auszubreiten bemüht waren; aber obwohl sobald der Sturz der ungeheuren Monarchien sich wiederholte, fanden doch die Nationen ein Wohlgefallen an dem hoffährtigen Wiederaufbau stolzer Reiche, in denen ihr Leben sittlich entnervte und das friedliche Beieinanderwohnen so viele Störungen erfuhr. Es ging auf einer abschüssigen Bahn niederwärts. Die Zeiten des Wohllebens begannen zu schwinden und man lernte allmählig immer besser sich an die Sklavenketten zu gewöhnen. Trotz der Erinnerung an die vergangenen Zeiten, trotz des Bewußtseins von der Erniedrigung, in welche man versank, nahm die sittliche Energie immer weiter ab, und dagegen die Sucht nach dem Genießen des Augenblicks, nach Befriedigung des Sinnenkitzels und die geistige Trägheit überhand. Man fand es bequem das Leben des Volks gewissermaßen in die Hände eines Einzelnen zu legen; die Augen durften dabei ja glänzende Erscheinungen zu sehen bekommen, der nationale Eigendünkel und die Eitelkeit in der Herrlichkeit Nahrung finden, mit welcher die Könige sich bekleideten, und in der Furcht, mit welcher die Fremden auf dieselben blickten. Die Begeisterung für die sittliche Arbeit am Volksleben begann zu erlöschen, und süßer ward es, sichs wohl sein zu lassen ohne freiwillige Aufopferung für das allgemeine Wohl. Litt man auch viel mehr unterdenLeistungen, welche dieTyrannen erzwangen, man fing an es schöner zu finden, wenn man doch nicht aus eigenem sittlichen Triebe sich anstrengen durste. Eben dieser Sinn der großen Massen ermöglichte auch das Auftreten der Tyrannen, durch deren Ehrgeiz sich die großen Weltmonarchien erhoben. Indem freilich jetzt noch die gewaltigen Staatengebilde zerschlagen wurden, sollten die Völker daran merken, daß sie noch nicht völlig reif