Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554764--04811-2560751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
165 Von mehreren Königen ist hier die Rede, nicht bloß von dem einzelnen Machthaber über Israel, ebenso wie nachher Vers 10 von einem Bunde mit allen Völkern. Gott will daher nach dieser Drohung den Frieden der Völker zerstören. Unter ihnen selbst soll Zwiespalt entstehn, innere Unruhe und Streit sollen ste verzehren. Die übermäßige Anhäufung des Reichthums auf Seiten der Einen, das Verstnken in Armuth auf Seiten der Anderen, die Ueberspannung der Unterschiede unter den verschiedenen Gliedern desselben Volks dazu Parteien und Bürgerkriege, alles dies soll dazu dienen die Gemeinschaft aufzuheben, welche das Band der gemeinsamen Nationalität oder der gemeinsamen Abstammung oder des einen Bluts geknüpft hat. Fernerhin soll der Sinn eine freie Bahn finden, in dem jeder nur sein Eigenes auf Kosten des Andern sucht und gegen den Gewalt braucht, welcher ihm im Wege steht, die Erde ganz nach seines Herzens Gelüsten zu gebrauchen. Es wird deshalb ein Streit Aller gegen Alle entstehn, und die Hand Gottes, welche die Zügel hielt, daß die Selbstsucht mit ihren mancherlei Begierden nicht die Herrschaft gewönne, fich zurückziehn. Noch mehr, Gott selbst wird dem Zwiespalt die Macht geben, Gott selbst die Einen in solche Abhängigkeit von den Andern stürzen, daß sie schutzlos aller Willkühr, allenHabsucht, aller Leidenschaft preisgegeben sind. Und wenn nun so das Leben der Menschen in ihrem unmittelbaren Verkehr untereinander eine völlig andere Gestalt gewinnt, wenn Jeder den Andern so ansieht, als wäre er nur um seinetwillen da, wenn dies die Hauptkunst wird, Netze auszuspannen, in welchen der Nächste sich fangen läßt und alsdann ausgesaugt werden kann, soll durch die Herrscher der Völker die beginnende Zersetzung noch beschleunigt werden. Wenn der gewaltthätige Trieb der Unterthanen in den Fürsten seine höchste Höhe erreicht, dann ist es vorbei mit der Ruhe der Nationen, mit dem Frieden der Erde. Die Völker, welche neben einander wohnen und ihr Werk treiben sollen, damit ein jegliches die ihm zugewiesene Aufgabe erfüllte, werden nur ein Verlangen kennen, ein gebietendes an die Stelle der anderen zu setzen, und der Sinn der einzelnen wird der sein, die übrigen zu verschlingen, damit die eigene Herrlichkeit wachse.