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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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159 Das Leben der Kirche in unfern Landen läßt sich nicht sowohl an der Heidenmission in China und Afrika, als an der Judenmission hier in Berlin abmessen. Die Begeisterung und das Verständniß in ihr ist der Höhemesser christlichen Ernstes und Muthes in der Kirche selbst. Es sind eben gedankenlose Phrasen, mit denen man vom Bekehrungseifer redet. Freilich Feuer und Schwert, Marter und Schmach haben niemals die Sprache der Wahrheit und Liebe geredet. An sich will jede Ueberzeugung bekehren, d. h. überwinden, die politische, die wissenschaftliche, so gut wie die religiöse. Wer nicht andere durch den Geist gewinnen will, hat selbst keinen. Wer nicht geben will, was er hat, bezeugt nicht, daß er hat. Fröhlichkeit und Liebe wollen bekehren, weil sie in diesem Willen nur leben. Christus selbst ist darin Meister und Vorbild. Es macht daher einen wunderlichen Eindruck, wenn man „aufgeklärte" Leute mit gehässigem Scheelblick nicht ohne Hochmuth, auf „Bekehrte" herunterblicken sieht. Nirgends stellt sich der Widerspruch des menschlichen Herzens seltsamerdar. Politische und literarisch gebildete Leute, die ungemein viel auf ihre „Consequenz" geben, sind dabei ungemein eifrig, andere inconsequent zu machen, wenn sie sich nur um ihretwillen von alter Meinung lossagen. Dieselben, welche mit Eifer, sobald es opportun dünkt, eine neue Interpretation irgend einer ephemeren Vorschrift Anderen aufdringen, weil sie älter, also auch klüger geworden sind, — sind es zuweilen, welche der christlichen Wahrheit die Kraft nicht zutrauen, die Herzen von sich in Wahrheit und Feuer zu überzeugen. Zu Pascal sagten die Leute, sie würden sich wohl bekehren, wenn sie ein Wunder gesehen hätten. Er antwortete: sie würden so nicht sprechen, wenn sie wüßten, was Bekehrung sei. Man kann hinzufügen, wenn sie bedächten, was ein Wunder sei. Die wirklichen Christen find alle Bekehrte, nicht bloß daher, daß ihre Urväter Heiden waren, sondern das wahre Leben des Evangeliums im Menschen ist ein Bekehren von der falschen Eigenliebe zur Gottesliebe, von Selbstsucht zur Nächstenliebe, von Selbstverherrlichung zur demüthigen Einkehr in Gottes Gnade.

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