Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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157 in welchen Herr Nippold namentlich wünscht, daß sein Buch aufmerksam gelesen werde, kann man eine völlige Unbefangenheit in Bezug auf die Stellung der Juden noch nicht erwarten. So geneigt man ist, den liberalen Ansprüchen der Zeit nicht entgegenzutreten, so wenig ist das uralte Vorurtheil, wenn auch verborgen, doch gegen die Juden verwischt. Es war dies auch nicht nach dem Gange, den die Entwickelung der Verhältnisse nahm, so schnell zu erwarten. Die plötzliche Theilnahme der Juden an den politischen Bewegungen brachte sie in das Feuer der Parteigegensätze. Was die Juden oft vergaßen, daß ein vielhundertjähriges Vorurtheil nicht über Nacht aus den Herzen weiche, vergaßen weder ihre Freunde noch ihre Gegner. Die wohlwollendste Gesinnung dünkte sich aufgeklärt zu sein, — aber in der That hatte die politische Partei den Widerwillen nur noch stärker gemacht. Man war huldvoll gegen Einige, aber der Name Jude blieb widerwärtig. Während daher Joh. Jacoby der Erwählte der Stadt Berlin ward, legte man in andern Kreisen das Wort der Lehnin scheu Weissagung Israel nefandum scelus audet morte piandum (Israel wagt ein unaussprechliches Verbrechen, das nur mit dem Tode gesühnt wird) gegen alles kirchliche und theologische Verständniß auf die Juden aus. An dieses Vorurtheil gegen die Juden knüpft Herr Nippold seine tendentiösen Fäden an. Geiger hat ganz Recht, wenn er in seiner Polemik gegen Renan und die Urtheile dessen über die Juden sagt: „Man würde wohl Herrn Renan Unrecht thun, wenn man ihm einen starken Rest von Glaubenshaß zuschreiben wollte. Es ist nicht das Urtheil des Christen über Juden und Judenthum, es ist die Raceneifersucht.... zwischen dem Jndogermanen und Semiten." Aber diese Raceneifersucht widerspricht nicht bloß dem „modernen Staat" und seiner Bildung; sie wie aller Nationalhaß ist ein Ueberrest unchristlicher Barbarei. Unter dem Kreuz haben die Völker zwar noch verschiedene Aufgaben, aber ihre feindlichen Gegensätze zu pflegen und zu reizen, ist so antichristlich, als den Hader zu begünstigen, der Nachbarn und Familien gegeneinander hetzt.