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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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156 um seinen Einfluß zu stören, an seine jüdische Abstammung und zwar immer unzart erinnerten.*) Was aber in älterer Zeit nicht auffallend sein konnte nach Stimmung und Gang des socialen Geistes, war in neuerer Zeit, von Seiten derjenigen Herren, denen Stahl's Schrift „Ueber christliche Toleranz" nicht genügte, höchst sonderbar. Aber die Deklamationen, welche in Kammern und Broschüren für die Juden sich erhoben, deckten nur das Vorurtheil — und zwar auch das unbegründete und ungerechte — aus politischen Absichten zu. Sobald ein oder der andere Jude dieser oder jener politischen Fraktion nicht gefiel, brach der alte Mensch wieder heraus, und die Duldung, die man so schön rhetorisch verkündigt, hatte in jedem einzelnen realen Falle ihr Ende. Als der Abgeordnete Reichenheim in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 10. December 1866 durch sein Amendement das Zusammengehen der Regierung mit dem Landtage in Betreff der Genehmigung des Militair-Etats erleichterte, verschonte ihn die Rheinische Zeitung nicht mit der Erinnerung an sein Judenthum. Da Rothschild für die Reichsverfassung im Reichstage stimmte „fiel er dem Kladderadatsch," welchem Juden nicht ferne stehen mit seinem Judenthum anheim. Da Geiger in seinen jüdischen Forschungen sich nicht mit den theologischen Resultaten von Schenkel und Genoffen einverstanden erklärte, verloren die Juden die Gunst des Herrn Nipp old. Doch nicht darum enthält das Handbuch der Kirchengeschichte Seite 380 einen Satz über die Juden, den man in der Wiener Kirchenzeitung von Brunner nicht unnatürlich finden würde. In den Kreisen, *) Vgl. Schwarz S. 239: „Die auf Geburt und Christlichkeit stolze Partei, welcher der Emporkömmling, der Sohn des jüdischen Viehhändlers diente." Nicht sehr zart für einen ästhetischen Prediger und doch sehr wunderlich für einen Theologen. Ich sollte meinen, es ist mehr Ehre, wenn ein Viehhändler solche Söhne erzieht, als wenn oft Theologen aus ihren Söhnen schwerlich Viehhändler machen. Die Evangelisten waren Fischer und Zöllner. Witzig sagt eine alte Volksschrist über die Martinsgans: „Die Schreibfeder hat manchen erhoben und neben Fürsten und Herren gesetzt. Sixtus V. hatte Ziegen und Böcke gehütet, Terentins Barro war ein Fleischerknecht, Euripides Mutter hat Kräuter feil geboten." Zch dächte, ein liberaler Man« hätte in solchen Dingen nichts zu kritikaster», sonder» zu rühmen.

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