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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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155 thum. Es begegnete mir selbst in jener Zeit, daß ich bei einer heftigen Diatribe gegen ihn, der ich zuhörte, eine intelligente Persönlichkeit fragte, was sie von ihm gehört oder gelesen hätte? Nichts antwortete sie naiv, aber man nennt ja Stahl Alles, was wir bekämpfen. Aber um an bestimmten hohen Stellen gegen ihn zu wirken und vor ihm zu warnen, reichte dies Alles noch nicht aus. Der Abgeordnete Twesten hat in der Schrift „Woran uns gelegen ist," mit welcher er die sogenannte neue Aera begrüßte, Seite 26, auch folgenden Sah: Man wird häufig an das Verfahren des Theologen Kortholt erinnert, der vor seiner Streitschrift gegen den berühmten Philosophen eine Fratze stechen ließ und darunter schrieb: Spinoza signum reprobationis in vultu gerens. (Spinoza, das Zeichen der Verwerfung im Antlitz tragend.) Man macht den Gegner zu einem Scheusal und dann ruft man Zeter über ihn. Zur Würdigung des Kortholtschen Portraits bemerke ich, daß der geistreiche St. Evremont nach seinem Besuche bei Spinoza ausdrücklich sagt: „er hatte eine angenehme Physiognomie." Die kleinen sachlichen Unvollständigkeiten dieses Satzes brauche ich hier nicht zu rügen, doch glaube ich, würde es gerechter gewesen sein, wenn Herr Twesten statt St. Evremontö die Worte des Theologen Colerus angeführt hätte, daß die Gesichtszüge Spinoza's „regelmäßig und wohlgeformt" gewesen waren, zumal auch nur die deutsche Uebersetzung seiner werthvollen Lebensbeschreibung mit einer polemischen Carricatur versehen ist. Aber, daß Herr Twesten in einer politischen Broschüre, die seine liberalen Freunde sicher alle gelesen haben, an das Factum erinnert, ist jedenfalls schätzenswerth. Es hätte eben nur .einer kleinen Anwendung auf die eigene Partei bedurft, deren eine anerkannte Hauptwaffe die Kunst der Carricaturen als signa reprobationis nicht gerade aus Kortholtschen Motiven zur großen Ergötzung oben und unten übt. Spinoza stammte von jüdischen Eltern so gut wie Stahl. Aber die Entrüstung, mit welcher man die Insinuationen abweist, welche die älteren Schriftsteller gegen Spinoza als den Juden gerichtet haben, — hat man nicht getheilt, wenn die Gegner Stahl's,

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