Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Lippe. Ek wurde scharf wie ein Schwert, wenn er zürnte — aber gegen Gemeinheit vertheidigte er sich-nicht.*) Er hatte Gegner in allen Regionen der Gesellschaft. Er fand sie schon vor, als er in Berlin ankam. Man kann in Varnhagen's Tagebüchern lesen, mit welchen Mitteln man ihn zu bekämpfen trachtete. Aber die aufgeregte Jugend, die erst erschien, um ihn zu erschrecken, hörte ihn bald erstaunt und bewundernd. Nachdem wir seit 1848 in eine neue Phase staatlichen Lebens eingetreten sind, sollte man nachgerade auch die Natur der Parteikämpfe kennen und würdigen gelernt haben. Leider führt man sie wie einen barbarischen Krieg, in welchem man auch die Brunnen und Speisen vergiftet, um den siegreichen Feind zu vertilgen. Es handelt sich meist nicht um Kampf und Sieg des Rechtes und der Wahrheit, sondern da um reale Macht gestritten wird, kommt es Vielen nur auf Behauptung des Schlachtfeldes an um jeden Preis. Man vergiftet die öffentliche Meinung mit falschen Vorstellungen über die Absicht und die Person des Gegners. Man hält es für Klugheit und gute Strategik, den politischen Feind nicht durch Anerkennung seines Charakters oder Geistes zu stärken. Wenn ein Parteigegner fallen soll, wirbeln in der Parteipresse die Trommeln laut, mit denen Santerre in Paris die Stimmen der Vertheidigung übertönte, vr. Stahl hat dies erfahren. Gerade seine gewandte und erfolgreiche Waffenführung vermehrte den Widerwillen seiner Gegner. Die Parteikämpfe unseres Landes ziehen sich ja bis in die höchsten Kreise hinauf. Man suchte seinen Einfluß auch durch Entstellung der Person zu brechen. Man machte ihn zum Schreckbild aller Reaction, aller Intoleranz. In literarischem Fanatismus machte man ihn zum Fanatiker. Es kam gar nicht in Frage, daß er weder reactionär, noch illiberal war. Man verurtheilte ihn, ohne ihn zu kennen und identificirte ihn, in den fünfziger Jahren zumal, mit Allem, was man bekämpfen zu müssen glaubte, mit Olmütz, mit Hierarchie, mitPfaffen- ' *) In der Kritik von Schwarz S. 239: „So blutlos und pergamentartig das welke Antlitz mit den feingeschnittenen Zügen, so blutlos und herzlos auch das schneidige Wort." Schneidig war es, aber voll Schmerz und Geist. Oder zeugt diese Kritik etwa von Pietät und Gemüth I Vgl. Neue Cv. Kirchen;. 1864 Nr. 52.