Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Messias Jesus ruft Luk. 11, 28 das große Wort der Seligpreisung aus: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren;" und ein ähnliches Wort ertönt noch aus dem letzten Kapitel des neuen Testaments: „Selig sind, die Seine Gebote halten." Off. 22, 14.— Wenn wir aber die Worte in der „Ueberlieferung" ansehen und hören, wie der Satz, daß Joseph gehalten habe, was im Gesetz Mosis geschrieben steht, begründet wird, so sieht man, daß das Ganze nur rabbinische Wortklauberei ist, über die es sich um so weniger lohnt, ein Wort zu sagen, da die ganze Behauptung schon dadurch gerichtet und auf ihre Nichtigkeit geführt wird, daß bei Joseph noch von keinem Halten und Beobachten des Gesetzes die Rede sein kann, da ja dieses Gesetz erst lange nach den Tode Josephs gegeben wurde. Aber wie die sogenannten Weisen Israels sagen: daß schon Abraham das ganze schriftliche und mündliche Gesetz gehalten habe, so gilt dies nach „dem Israelit" auch von Joseph. — Wenn aber unsere heutigen orthodoxen Juden wirklich die Beobachtung des in der Bundeölade enthaltenen, geschriebenen Gesetzes so rühmlich anerkennen, warum kehren sie denn nicht selbst zu diesem Gesetz, zu dem ganzen geschriebenen Wort Gottes zurück? „Der Israelit" klagt so oft und viel über den Verfall des Judenthums, er macht so viele Anstrengungen, empfiehlt so manches Mittel, dem Verfall zu steuern, das Judenthum zu stützen und zu heben, warum greift man denn nicht nach dem einigen Mittel, das allein helfen kann und geht zu der lauteren, lebendigen Quelle, zu Gott dem Herrn und seinem heiligen Worte, wie es in Mose und den Propheten enthalten ist? Statt dessen zerarbeitet man sich in der Menge seiner Wege, und während die Reform ihr Heil im krassen Unglauben, in einem „geklärten" Judenthum zu finden hofft, richtet die sogenannte Orthodorie ihr Augenmerk lediglich auf die Wiederherstellung des Ansehens und der Herrschaft des Talmuds. Dies sind aber löchrichte Brunnen, die kein Wasser geben. Da gilt die ernste und zugleich lockende Stimme: „Israel, du bringst dich in Unglück; denn dein Heil stehet allein bei mir." Hes. 13, 9 und: „O daß du auf meine Gebote merktest, so würde dein Friede sein, wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit, wie Meereswellen." Jes. 48, 18.