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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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144 schaft, welche zur christlichen Kirche übergetreten waren, sie hatte an Allen etwas auszusetzen. Plötzlich stockte sie bei dem Namen eines Mannes, der ihr seit Jahren oftmals und in den verschiedensten Lebenslagen begegnet war. „Ja, sagte sie, der ist ein echter Christ." Mich frappirte das Won, und ich fragte sie, was sie mit demselben meinte, „Der, war ihre Antwort, besitzt ein wunderbares Maß von Liebe, wie ich es sonst nur bei sehr wenigen Menschen gefunden habe." Da ließ ich nun nicht ab und forschte weiter, ob wohl auch unter Juden solch eine demüthige, sich selbst für Andere verleugnende, nicht bloß Freunden und Bekannten, auch nicht bloß mit Geld und dergleichen Dingen, sondern mit Drangabe der eigenen Person dienende Liebe zu finden wäre, wie bei jenem Manne? Ich wies die Dame auf die Diakonissen Bethaniens in Berlin, von denen wir gerade gesprochen hatten, und frug sie, ob auch eine Jüdin aus vornehmen und wohlhabenden Verhältnissen im Stande wäre, Allem, was man Erdenglück nennt, zu entsagen, und in ein solches, Haus einzutreten, um, fortan vergessen von der Welt und doch ohne ein Verdienst vor Gott, welches etwa das Himmelreich erschlösse, sein ganzes Leben hindurch allein den Elenden zu dienen? Sie sann lange nach, aber zuletzt antwortete sie mit „Nein." Der Stachel war in ihre Seele geworfen, ob er haften wird, das weiß Gott. Aber die Frage mag noch einmal in die jüdischen Kreise, zu denen etwa diese Zeilen kommen, hineintreten; hat nicht also die Religion Christi unter ihren wahren Anhängern — die große gleichgültige Masse ist nicht gemeint — eine Macht der Liebe erweckt, wie solche auf Erden sonst nicht gesunden wird? und was dünket Euch daher um Jesum Christum? Sollte der es nicht etwa sein, dessen Verwerfung Israel noch fern hält von dem Lande seiner Väter? Die Juden haben doch seit Jahrhunderten nicht lasterhafter gelebt, als die Mehrzahl der christlichen Nationen, sie haben in manchen Stücken dieselben sogar beschämt; die sittliche Entartung, welche um das Jahr 70 das jüdische Volksleben entstellte, ist heute keinesfalls in solchem Maße vorhanden. Götzendienst in unfern Tagen unter Israel ebenso unerhört wie in der Zeit der Zerstörung Jerusalems. Was hält

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