Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554763--04786-2560725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
141 es, daß diese religiöse Aufgabe erst dann wirklich vor Israel ausgeübt werden kann, wenn die Sünde, um derentwillen heute noch die Verbannung besteht, dem Volke vergeben ist. Die Geschichte beweist es auch, daß es eine leere Einbildung ist, wenn man zu schreiben wagt, daß die Israeliten unter alle Völker zerstreut seien, um ihre Priester und Lehrer der rechten Gotteserkenntniß zu werden. In den 18 Jahrhunderten, welche das Exil schon währt, hat das Israel, welches Jesum Christum als Messias verwirft, nichts, auch gar nichts dazu gethan, daß die Völker den rechten Gott erkannt haben. Allein das Israel, welches von seinen übrigen Volksgenossen ausgeschlossen ward, allein die Juden, welche Jesum als den verheißenen Sohn Davids aufnahmen, haben eine neue Erkenntniß Gottes auf Erden gewirkt. Oder wer hat denn die Götzenaltäre in so vielen Ländern gestürzt, welche die heutigen Juden bewohnen? Ist es nicht allein das Kreuz, welches jene 12 von ihrem Volk bitter gehaßten Galiläer, die Jünger Jesu, in die Welt hinausgetragen haben? Warum sind denn die Nationen Europas, und zum Theil auch Asiens, Afrikas, Amerikas und Australiens nicht mehr Götzendiener? Was will die orthodoxe Zeitschrift darauf antworten? und wie jämmerlich nehmen sich den Zeugnissen der Jahrhunderte gegenüber ihre leichtfertigen Behauptungen aus! Oder sollte etwa „der Israelit" auch uns Christen noch heute zu den Götzendienern zählen, weil wir einen einigen Gott in 3 Personen anbeten? Dann mache er nur getrost vielen seiner eigenen Weisen denselben Vorwurf, dann streiche er das Buch Sohar aus der Reihe der seinem Volke heiligen Schriften aus. Die Differenz zwischen Juden und Christen tritt weniger an diesem Punkte, der Dreieinigkeitslehre, welche dem jüdischen Bewußtsein durchaus nicht so völlig widerstrebt, hervor, als vielmehr an der Auffassung der Person Jesu Christi, der von uns, ob er wohl Mensch geworden ist, doch für die eine Person unter den dreien der Gottheit gehalten wird, aber der Selbstgerechtigkeit, welche von rechtschaffener Buße für ihren Abfall von Gott und von einer Vergebung allein aus Gnaden durch Christi Opfertod nichts wissen will, aufs Aeußerste mißfällt.