Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554763--04785-2560724- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 phcten Hosea auf die jetzige Gegenwart nicht zu beziehn: „Die Kinder Israel werden lange Zeit ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Leibrock und ohne Heiligthum bleiben." Wie kann jener Artikel es läugnen, daß, bis „die Kinder Israel sich wieder bekehren und den Herrn, ihren Gott, und ihren König David suchen," der heilsgeschichtliche Beruf dieses Volks ruht? Wahrer und tiefer empfinden Andere in Israel die Bedeutung der Jetztzeit, ohne sich als die Vcrtheidiger des rechten jüdischen Glaubens mit dem Schwert des Wortes aufzustellen. Wir können jedem Unbefangenen getrost die Frage vorlegen: Sind nicht die Juden an der Klagemauer zu Jerusalem mehr im Recht, wenn sie weinend des Zornes Gottes gedenken, der sie schon so lange vom Erbe ihrer Väter fern hält und sie aus seinem Heiligthum verstoßen hat, als die Verfasser gelehrter Artikel, welche Honig für ihr Volk auf die Lippen nehmen, wenn sie der schrecklichen Gerichte Gottes gedenken? Doppelt schlimm ist es, wenn der Verfasser jenes Artikels ftir seine Theologie ein Schriftwort herbeizubringen versucht. Er schreibt: „Gott spricht durch Jesaias: ich schicke Flüchtlinge meines Volks zu Nationen und fernen Inseln, welche meinen Namen noch nicht hörten und meine Herrlichkeit nicht sahn, und sie sollen verkündigen meine Herrlichkeit den Völkern." Der Prophet spricht nicht von Flüchtlingen, sondern von Entronnenen Israels, die aus dem letzten großen Gericht, welches über die Völker ergehn wird, gerettet in das Land ihrer Väter zurückgekehrt find, nun aber sich aufmachen das Heil, welches ihnen wieder in Jerusalem zu Theil geworden ist, denen zu bringen, unter welchen sie früher, während der Zerstreuungszeit, gewohnt haben. Nein, nein, der Ernst der gegenwärtigen Verbannung Israels aus Canaan wird nicht durch falsche Uebersetzungs - und Auslegungskunst gemindert. Der Verfasser jenes Artikels ist fteilich nicht so weit gegangen, wie es die reformjüdische Zeitschrift thut, welche die Thorheit begeht, die Vertreibung Israels aus seinem Lande im Culturinteresse der übrigen Völker geschehn zu lassen; die orthodoxe Zeitschrift will wenigstens den Juden eine religiöse Aufgabe Vorbehalten wissen, aber sie vergißt