Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Die orthodoxe Zeitschrift, welche an dem Wort des alten Testamentes festhalten will, dürfte also sich darüber nicht länger täuschen, daß Israel seit seiner Vertreibung bis heute unter einem Gerichte lebt; sie müßte es gleichermaßen aus der Schrift wissen, daß, wenn des Herrn Augen wahrhaftige Buße und Bekehrung von Herzens Grund in Israel bisher gefunden hätten, dasselbe auch wieder in das Land seiner Väter eingesetzt worden wäre. Denn so betet Salomo 1. Kön. 8, 46— 55: „Wenn sie an dir sündigen werden, und du erzürnest, und giebst sie vor ihren Feinden, daß sie sie gefangen führen in der Feinde Land, ferne oder nahe, und sie in ihr Herz schlagen im Lande, da sie gefangen sind und bekehren sich und sprechen: wir haben gesündigt und mißgethan und sind gottlos gewesen, so wollest du ihr Gebet und Flehen im Himmel hören — und deinem Volk gnädig sein — und Barmherzigkeit geben vor denen, die sie gefangen halten — denn du hast sie dir abgesondert zum Erbe aus allen Völkern auf Erden." So betet der König von Israel, weil er Gottes Verheißung, durch Mose gegeben, kennt. 3. Mose 26, 40 — 46. Und was fällt Angesichts der geschichtlichen Thatsache der noch fortdauernden Zerstreuung Israels von solchen Zeugnissen der Schrift her für ein Licht auf den religiösen Zustand Israels in der christlichen Periode? welch' ein Urtheil ergiebt sich daraus über die jüdische Orthodoxie der Jahrhunderte, welche „der Israelit" ohne Zweifel als Zeiten eines echt religiösen Lebens seines Volks betrachtet? Oder kann denn wirklich noch ein orthodoxer Jude sich darüber täuschen, daß die Tage der babylonischen Gefangenschaft, nur um Jahrhunderte verlängert, wieder auf seinem Volk lasten? Kann er es bestreiten, daß seinem Gottesdienst das wichtigste, unentbehrlichste Stück fehlt, auf welchem doch der Bestand der Gottesgemeinde beruht, nämlich das Opfer und das Heiligthum zu Jerusalem? Wie kann denn heutiges Tages ebendeshalb unter Israel der Versöhntag gefeiert werden, welcher die Vergebung für die Schuld des Jahres bringen soll? und welches der Jahre seit der Zerstörung des Tempels weist also für Israel die Bedeckung seiner Sünden auf? Sind das nicht Fragen, welche die Elemente israelitischer Religionserkenntniß betreffen? Und wie kann also die orthodoxe Zeitschrift umhin, die drohende Weissagung desDro-