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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Aber wirkliche Demuth und bußfertige Beugung unter die Gerichte Gottes lehrt er sein Volk nicht, wenn er mit der anderen Hand nimmt, was er mit der einen gegeben. Die Verschuldung mit ihren Folgen verwandelt sich plötzlich so sehr in ihr Gegentheil, daß vielmehr gerade jetzt der Ruhm Israels auf seine höchste Höhe geführt wird. Jener Leitartikel schreibt; „Vespasian und Titus sollten Jerusalem und den Tempel zerstören und die Israeliten als Lehrer der Völker über alle Länder zerstreuen," und schildert darauf, nachdem er so für die Bedeutung jener Katastrophe gleichsam die Ueberschrift geliefert, die geschichtlichen Thatsachen dcö Jahres 70, um dann im Schlußsatz folgendes auszusprechen: „Nicht nur in Canaan sollte Israel seine Bestimmung, die auserwählten Lehrer aller Völker, das Volk von Priestern und Gotteslehrern zu werden, erfüllen. Nachdem es erstarkt und die Gotteserkenntniß gleichsam sein bleibendes Eigenthum geworden war, wurde es überall hin zerstreut, um in den weitesten Kreisen die Leuchte des wahren Glaubens anzuzünden und den Völkern den Weg zum einzigen Gott zu bahnen." Was sollen wir demnach von dem Israel halten, welches soeben die orthodoxe Zeitschrift noch entartet genannt hat? Und was von einem Ereigniß denken, welches nach solcher Darstellung statt ein Gericht zu sein vielmehr die Bedeutung hak, Israel aus seinen engen Schranken zu entbinden, „damit die Fruchtschale jüdischer Gotteserkenntniß zersprengt und der Same nach allen Himmelsgegenden getragen würde?" Entweder Israel war damals entartet, und was wollen dann die Worte von einer solchen Erstarkung desselben im Glauben, daß es für Jahrhunderte aus seinem Lande hinweggeführt werden konnte? Oder Israel war wirklich glaubensstark, und wie ist es dann noch möglich von einem Gericht über dieses Volk zu sprechen? Die orthodoxe Zeitschrift des Judenthums kann es sich nicht verhehlen, daß Vertreibung aus seinem Lande für Israel nach dem Zeugniß der gesammten Schrift Alten Testamentes die härteste Strafe war, welche überhaupt Gott über dasselbe verhängen konnte, und also die Entartung um das Jahr 70 so hoch gestiegen sein mußte, daß die Geduld Gottes, wie einst zur Zeit des Exils, keinen Raum mehr fand, sondern diese äußerste Heimsuchung eintreten zu lassen genöthigt war.

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