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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 9-10 (1867) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
9-10 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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137 erwählten Gottesgemeinde vergessen, aber in diesem kleinen Theil war nun auch unter den Gerichten Gottes die Lust zu heidnischem Götzendienst völlig überwunden. Dagegen entstand nun für Israel eine andere Gefahr als den heidnischen Götzen nachzulaufen, eine Gefahr nicht etwa geringerer Art, nämlich diese: die gebotene Scheidung von den übrigen Völkern in hoffährtigem Geiste festzuhalten und denselben gegenüber mit fleischlichem Stolz sich als die Auserkorenen Jehovahs zu fühlen. Freilich blieb Israel seit der Rückkehr aus Babel hinsichtlich seiner Religion kenntlich von allen Völkern geschieden, aber es fing auch gar bald an um seiner eingebildeten Frömmigkeit willen vor Gott sich aufzublähn, sich selbst vor dem heiligen Gesetz als gerecht zu betrachten und den Ruhm seiner Gottesfurcht, den Trotz durch sein eigenes Wesen vor Gott etwas gelten zu können, mit aller Macht, mit aller Leidenschaft zu behaupten. Man wurde stolz darauf Abrahams Same zu sein und vermeinte damit ein Privilegium vor Gott, ein Anrecht auf das Himmelreich zu besitzen. Man fühlte immer weniger den Abstand zwischen den Forderungen des heiligen Gottes und dem eigenen unzureichenden Leben. Man war mit sich selbst um so zufriedener, je äußerlicher man das Gesetz auffaßte, und je mehr man durch eigene Zusätze, durch die Erfindungen des mündlichen Gesetzes, seinem Selbstgefühl den angenehmen Kitzel alle Gebote Gottes von Grund aus erfüllt zu haben, sich zu bereiten verstand. Aeußerlich angesehn war der Cultus ein blühender, und das Volk jauchzte einer Partei, den Pharisäern zu, welche durch eine nach der Meinung der Mehrzahl scrupulöseste Gesetzeserfüllung sein Ideal ihm vor die Augen zu stellen schienen. Die Pharisäer galten den damaligen Juden als die Blüthe der Nation, und ihrer Führung überließ sich gern das Volk in seinen religiösen wie in seinen politischen Angelegenheiten. Unter solcher Leitung lebte Israel dahin, bis es die Vernichtung seines Volkslebens in Canaan durch Titus traf. Als eine Strafe kann auch Herr Grünebaum nicht umhin dieses Ereigniß aufzufaffen; es ist immer noch so viel Gewissen in ihm, einen verdienten Lohn für die Entartung Israels den Verlust seines Landes und Reiches zu nennen.

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