Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 9-10 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554763--04777-2560716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
133 vergleichend sagt: „in seiner Gesammtheit i6 es nie vom rechten Wege abgeirrt, sondern das Wesen des Weltlenkers und die Bestimmung des Menschen war die Richtschnur des jüdischen Lebens. Die sichtliche Fügung Gottes zeigte Israel bei seinem Auszuge aus Aegypten, daß es sich seither auf Irrwegen befand, sie machte ihm klar, daß eine Umgestaltung nothwendig sei, wenn die Zukunft ihm gehören sollte — und vM von Gottvertrauen finden wir Israel am Sinai." Schon darin ist die geschichtliche Wirklichkeit sehr wenig wiederzuerkennen. „Voll von Gottvertrauen und gestärkt im Glauben an den Weltschöpfer" sehn wir Israel nicht einmal am Sinai. Zwar im ersten Augenblick, da des Herrn Wort in Aegypten durch Moses an Israel kam, glaubte das Volk, aber darnach war das Ringen Mosis mit demselben und seinem fleischlichen Gelüsten fast ein noch schwererer Streit als der Kampf mit den Aegyptern. Gott muß dem Volk an der Grenze Canaans, nachdem die Jahre der Wanderung zu Ende gegangen sind, durch Moses erklären, „daß er ihm nicht um einer Gerechtigkeit willen das Land geben werde, denn es sei ein Volk von hartem Nacken." „Gedenke, vergiß es nicht, wie du den Herrn, deinen Gott erzürnt hast in der Wüste; von dem Tage, da ihr auszogt aus Aegypten, bis ihr gekommen seid zu dieser Stätte, seid ihr widerspänstig gewesen gegen Jehova," so spricht der Herr, und Anklagen der Art häufen sich. Noch der Prophet Amos, da er jener Wüstenzeit gedenkt fragt im Namen Gottes: „habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die 40 Jahre Schlachtopfer und Speisopfer geopfert? Ja wohl, ibr trugt den Sichuth, euren König, und Chiun, euer Bild, den Stern eurer Götter, die ihr euch gemacht hattet." Israel, nachdem es die Wunder in Aegypten und die Wunder des Auszuges erlebt, zieht von Station zu Station in der Wüste, um fast jede derselben durch eine neue That des Ungehorsams zu bezeichnen. Nicht voll Gottvertrauens und in starkem Glauben, sondern nur mit Zittern steht daher Israel auch am Fuß des Berges Sinai, als es Moses herzubringt die Gebote seines Gottes zu vernehmen, und zitternd nimmt es die angebotenen Gesetze mit seinem Ja an. Aber das ganze Volk, mit alleiniger Ausnahme des Moses und Josua, ist wenige Tagespäter mit ganzer Lust in den allerschnödesten Götzendienst versunken;