Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 7-8 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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ISO noch ein anderer Fall, dessen ich Erwähnung thun wollte, weil er auf mich einen besonderen Eindruck hervorgebracht hat. Die Art der Herzen, mit denen wir bei der Verbreitung deS Evangeliums von Jesu Christo unter Gottes altem Volk zu thun haben, wird auch er Ihnen zeigen. Vor mehreren Jahren wurde in einer Stadt an den äußersten Grenzen des russischen Reichs, an den Grenzen von Lappland, wahrscheinlich der nördlichsten Stadt der Welt, in welcher überhaupt Juden wohnen, ein Knabe geboren, welcher seit seinen frühesten Jahren einen sehr ernsten und tiefen Sinn für Religion hatte. Als ec 11 oder 12 Jahr alt war, fühlte er sich völlig unbefriedigt von dem jüdischen Religionssystem und ward sehr ernstlich um seiner Seelen Heil besorgt. Er begann mit einigen Knaben seines Alters über diesen Gegenstand zu sprechen und fand, daß ihr Gemüth sich in einem ähnlichen Zustande befand. Ferner entdeckte er, daß dort ein junger Mann von 20 oder 21 Jahren lebte, welcher auch in einem besorgten und forschenden Zustand seines Gemüths dahinging. Erzogen inmitten einer jüdischen Gemeinde, welche nur aus sich selbst achtete und nichts von allen den Dingen, die außer ihnen lagen, wußte, hatte er auch nichts vom Christenthum gehört, mit Ausnahme dessen, was er von den Russen, die rundum wohnten, bemerkte. Sie beschlossen ihr Geld zu sparen und sich auf den Weg nach England zu machen, denn sie hatten von diesem freien Lande gehört, obgleich sie nichts über dasselbe wußten. Mit ihren Ersparnissen von 12 Monaten kauften sie unter Leitung jenes jungen Mannes ein Pferd und einen Wagen und setzten sich in den Wagen mit der Absicht das unglückliche Pferd den ganzen Weg bis London zu treiben; natürlich kamen sie niemals dort an. Sie wurden bald verfolgt und zurückgebracht, und das Resultat war, daß der Knabe in engerer Wacht und Aufsicht als je gehalten wurde. Jahre gingen hin, der Knabe wuchs zum jungen Manne heran. Er dachte: „Ich bin als Jude geboren, ich muß als Jude leben, ist es Gottes Bestimmung, daß ich als Jude sterben soll, so will ich mich auch bemühen in den Wegen der Juden Friede zu suchen." Er ging in die Synagoge und las den Talmud 6 Wochen lang; während dieser Zeit legte er niemals seine Sachen ab und versuchte nie zum Schlaf sich niederzulegen, sondern schlief nur dann und wann. Er kostete nie Speise bis die Sonne