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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 7-8 (1867) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
7-8 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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blickten, hörten wir sehr rasche Schritte und bemerkten, daß sich Jemand näherte. Wir sahen zurück, als ob wir den Weg verfehlt hätten, und zuerst bemerkte er uns nicht. Als er den Eingang des Hofraums beschritt, zog er seine Schuhe aus und faltete seine Arme über der Brust, dann bückte er sich und brachte sich in eine Stellung der höchsten Ehrerbietung und — nachdem er ohne Zweifel einen stillen Akt des Gebets verrichtet — lief er auf die Mauer mit rasender Eile und in der heftigsten Erregung zu und bedeckte die Steine mit Küssen. Ich fühlte, daß dies heiliger Boden war, und wenn ich vorher mit dem Gesicht auf den Klageplatz gerichtet war, diente der Act dieses Mannes nur dazu den Eindruck zu vertiefen, und ich bedauerte fast, daß wir uns dort bei so heiligen Erregungen eingedrängt hatten. Ich sagte zu Dt. Barclay: „Lassen Sie uns nicht fortgehn, bis wir mit ihm gesprochen haben." Er ging auf ihn zu und sprach mit ihm hebräisch, und eine Unterhaltung fand zwischen ihnen Statt, welche 2 oder 3 Minuten dauerte. Er war offenbar ein Mann in guten Umständen, ein Jude aus den mittleren Klassen. Er sagte: ,,Jetzt ist der Traum, der tägliche Traum meines Lebens erfüllt; es ist das brennende Verlangen meines Herzens gewesen, seitdem ich überhaupt etwas wußte, daß ich einmal möchte nach Jerusalem kommen können und diese Stelle sehen, das Uebriggebliebene von dem Platz, an dem unsere Väter gelebt und angebeket haben." Und woher war er gekommen? Aus einer Stadt in Rußland, geleitet von keinem anderen Beweggrund, als von dem ernsten religiösen Verlangen Gott an der Stelle zu dienen, welche ihm der heiligste Fleck auf der ganzen Erde war. Dies zeigt die Art der Charaktere und Individualitäten, mit denen Ihre Missionare es zu thun haben. Ich brachte eine köstliche Woche im Hause von Br. Barclay zu, und hatte mit ihm wie mit anderen Gliedern der Mission zu Jerusalem viele Gespräche. Ich war höchst erfreut über den Geist dauernder Liebe, welche unter ihnen und den Proselyten herrschte, damals vor 4 Jahren und noch heute nicht gestört durch irgend einen Mißklang. Eine andere Sache, die mein Herz erhob, war die, daß ich Gelegenheit hatte selbst die Solidität des Werks zu beurtheilen, das in Jerusalem gethan war. Ich wurde überzeugt, daß es ein Werk ist, welches bestehn wird und in wachsendem Maaße Frucht bringen. Aber da ist

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