Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 7-8 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554762--04765-2560703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
121 untergegangen war und dann die allereinfachste, nur eben hinreichend das Leben zu fristen. Am Ende der 6 Wochen sagten seine Freunde: „Wir dachten nie früher, daß du ein guter Jude wärest, jetzt sehen wir, daß du ein ernster und frommer Jude bist," und sie brachten ihn von der Stelle hinweg, wo er gelesen hatte. Seine Erregung und Entbehrungen warfen ihn in ein heftiges Fieber nieder. In einem Paroxysmus dieses Fiebers beschloß er, wenn es Gott gefiele sein Leben zu erhalten, Alles aufzugeben, was Menschensatzung wäre, und sich ganz dem Studium des göttlichen Worts zu widmen. Zuletzt kam er zu dem Schluß, er könne nicht bleiben, wo er wäre. Er hörte von einem Verwandten in Berlin, welcher den jüdischen Glauben aufgegeben hätte; zu dem beschloß er zu gehen. Sein Ausgangspunkt, von welchem er nach Berlin reisen wollte, war 1000 Meilen jenseit der Stadt Wilna. So gut er konnte, machte er seine Reise nach Berlin. Dort trat er in ein Kaffehaus ein und hörte 3 oder 4 Juden an einem anstoßenden Tisch laut mit einander über einige Dinge, die sie gethan, und über einige Personen, welche sie besucht hatten, reden. Er fand, daß sie über die Missionare in Berlin sprachen, und sich über verschiedene Unterhaltungen und Discussionen, die stattgefunden hatten, verbreiteten. Er ließ sich mit ihnen in ein Gespräch ein uud sie wiesen ihn an das Missionshaus. Kein besonderes Resultat ward durch diesen Besuch erzielt. Er ging wieder zurück in das Kaffehaus. Die Juden sagten: „Sie sind an den Unrechten Mann gekommen, Sie mußten zu Dr. Biesenthal gehn, der weiß Alles," und das ist in der That wahr. Er kam zu Dr. Biesenthal, und hatte bis zu dieser Unterredung nicht die geringste Idee, daß es ein Buch gäbe, wie das Neue Testament unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Da zum ersten Male wurde er mit dieser Thatsache bekannt und bekam das Buch in seine Hände. Er ging nun von einer Stadt zur anderen, um seinen Verwandten zu suchen und endlich kam er nach Straßburg, wo er sein Suchen aufgab. Er ging zu dem Missionar in dieser Stadt, eröffnete ihm den Zustand seines Herzens unb in kurzer Zeit ivurde er in den Glauben Jesu Christi getauft. Vor 10 und einigen Jahren stellte sich dieser treffliche Mann mir selbst als ein Missionar dar. Als er mir seine Geschichte erzählte und ich wußte, daß Dr. Biesenthal gerade ein paar 100 Schritte weiter