Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 7-8 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 glaube, daß es keine einzige Person jüdischer Abkunft in meinem ganzen Kirchspiel giebt, oder, in der That, in dem ganzen Decanat, dem mich mein Loos unter den östlichen Grafschaften zugetheilt hat. Wir sehen in diesem Distrikt niemals einen Juden, ausgenommen vielleicht 1 oder 2 jüdische Hausirer, die dann und wann von Ort zu Ort mit iljretf Maaren wandern. Aber jeden Sonntag und in der That jeden Tag, an dem ich in meine Kirche blicke, werde ich in der allerzwingendsten Weise daran erinnert, was ich den Juden schulde. Ich werde daran erinnert, daß ich nicht allein Rom und Griechenland für einige geringe Kenntnisse, die ich von ihnen erlangt habe, verpflichtet bin, sondern über Alles bin ich meinen jüdischen Brüdern für ihr Werk in den vergangenen Tagen verpflichtet. Ich sehe auf dem guten alten hölzernen Lesepult ein bekanntes altes Buch, genannt die Bibel, und ich habe das Glück mich daran zu erinnern, daß jedes Capitel, jeder Text, jedes Wort dieses gesegneten Buchs unter der directen Belehrung und Eingebung des heiligen Geistes niedergeschrieben ist, durch die Hände von Menschen, welche Juden waren. Wenn ich dann auf mein Prayerbook blicke mit all seinen Gebrechen und Unvollkommenheiten, bin ich für dasselbe dankbar, und sehe in ihm gar sehr Vieles, das ich meinen jüdischen Brüdern danke. Wenn ich von meinem Lesepult zu meiner Kanzel mich wende, fühle ich es, oaß dies der Platz ist, wo der heilige Geist Wohlthat geübt haben will durch Predigt des göttlichen Worts und dadurch, daß er Christum bekannt macht den geängstigten Seelen. Und wer waren die ersten Prediger vor 1800 Jahren? Die Leiter der Welt? Wer waren die Männer, die von Stadt zu Stadt gingen die Wahrheit des Christenthumö ausbreitend und die Menschen aus der Finsterniß in das Licht einführend? Wer waren ste anders als Juden? Und wenn ich von meiner Kanzel an den Abendmahlstisch gehe, fühle ich mich noch einmal an die Juden erinnert. Ich kann es nicht vergessen, wer die Ersten waren, welche sich um diesen Tisch sammelten das Brot zu nehmen und den Wein zu trinken. Es waren Juden, ein Jeglicher unter ihnen. Ein besonderer Segen knüpft sich an jedes Werk, das für Juden geschieht — es thut den Seelen Anderer wohl und. ist ein Weg Gutes für unsere eigenen Seelen zu erlangen. Es ist ein großer Grundsatz, welchen der heilige Geist niedergelegt hat, daß