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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 7-8 (1867) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
7-8 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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105 wieder aufnahm, wies er mit seinem Finger auf die Gebete und Gesänge, damit ich vollständig dem Gottesdienste folgen könnte. Der Gottesdienst war einer der am Tiefsten ansprechenden- und am Schluß desselben jauchzte die Versammlung laut auf „Hosiannah!" es war noch nicht „Hosiannah dem Sohne Davids!" Nein, das soll noch kommen. Aber ich überlasse es Ihnen die Erregung sich vorzustellen, welche es in unseren Gemüthern hervorbrachte, als die Kinder aufjauchzten „ Hosiannah!" Als wir fortgingen, sagte ich zu Dr. Chaplin: „Wir sind Ihnen sehr verpflichtet, denn es ist offenbar, daß Ihre Gegenwart am hiesigen Ort uns solch eine günstige Aufnahme verschafft hat." Mit großer Bescheidenheit antwortete er: „ Sie (die Juden) sind so freundlich, daß ich glaube, sie würden fast Alles für mich thun." Ich erfuhr nachher, daß, als Dr. Chaplin wegen seiner Gesundheit genöthigt war nach England zurückzukehren, sobald es unter den Juden bekannt wurde, daß er im Begriff stände Jerusalem zu verlassen, die Vorsteher und Rabbiner ihn dringend um genaue Auskunft baten, an welchem Tage er abzureisen beabsichtigte. Es ist ihre Gewohnheit, wenn sie einem Manne, der ihre Stadt verläßt, eine besondere Ehre erzeigen wollen, daß sie ihn einige Meilen auf seine Reise begleiten, oder wenn er zurückkehrt, daß sie ihm einige Meilen entgegengehn. Dr. Chaplin fand, daß er durch Umstände genöthigt war Jerusalem am Sonnabend, ihrem Sabbath zu verlassen. Darauf sprachen sie ihr Bedauern aus, daß es für sie ungesetzlich wäre, am Sabbath zu reisen. Aber sie sagten, sie würden es nicht gern sehen, wenn er ginge, ohne daß sie ihm ein Zeichen der Aufmerksamkeit gegeben hätten. Darum sagte der Vorsteher „unser Gottesdienst beginnt um 6 Uhr, können Sie ihre Abreise verschieben, bis er beendet ist, um 7 Uhr? Sie wissen, wir können nach dem Gesetz nicht mit Ihnen ausreiten, und doch wünschen wir Sie noch zu sehen." Dr. Chaplin willigte ein, und um 7 Uhr kam eine große Deputation, bestehend aus den Vorstehern der Inden und gab ihm ihren Segen vor seiner Abreise. Ich glaube, theure Freunde, daß, wenn es dafür eine Gelegenheit gäbe, ganz Jerusalem vom Pascha an, welcher zu den am Meisten dem Dr. Chaplin für seine ärztlichen Bemühungen Verpflichteten gehört, bis herab zu den geringsten seiner Einwohner, Ausziehen würde, um ihm Ehre zu erweisen.

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