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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 5-6 (1867) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
5-6 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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88 der inner» Leere und auch des Verlangens nach etwas Besserem, nach einer religiösen Befriedigung vorhanden. So erzählte mir eines Tages ein junger jüdischer Mann, er habe eben das 13. Kapitel des ersten Briefes St. Pauli an die Corinther gelesen, das Kapitel von der Liebe. Der junge Mann sprach mit tiefem Gefühl und großer Freude von dieser Schilderung, die ihn, wie er, sagte, fast zu Thränen gerührt habe. — Im Laufe eines christlichen Gespräches in einer jüdischen Familie, wo namentlich darauf hingewiesen wurde, daß der Messias in der Person Jesu schon längst gekommen sei, sagte die Jüdin: Ja, das ist ein Gegenstand, über den wir oft unter uns sprechen, und dabei fragen, wie es doch in Wahrheit mit diesem Gegenstände stehen mag, ob die Christen recht haben, die da sagen, er ist schon gekommen, oder wir Juden, die wir noch auf die Erscheinung des Messias hoffen? Dergleichen Fälle, wenn sie uns vielleicht auch nur selten bekannt werden, zeigen, daß ein tief inneres Bedürfniß nach Gott und göttlichen Dingen in dem Herzen des Menschen vorhanden ist und sich auch bei verschiedenen Gelegenheiten kund giebt. Leider wollen nur die Personen selbst diese Gefühle, diese Regungen und Stimmen im Innern nicht aufkommen und durchbrechen lassen, man fürchtet die Folgen; es ist ihnen nicht ernstlich um Ueberzeugung zu thun, sie weisen vielmehr alles weitere Eingehen auf dergleichen Wahrheiten entschieden ab, wie denn auch die erwähnte Person bald auörief: Nur keine Proselytenmacherei, und von da ab sich sehr fern hielt. Wenn nur die Christen in ihrem Leben und Wandel die Lehre Jesu Christi mehr zieren, und als das königliche Priesterthum die Tugenden Deß verkündigen möchten, der sie berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Licht! Der oben erwähnte Israelit, den 1. Cor. 13 beim Lesen so gerührt hatte, fügte mit Unwillen die Frage seiner Erzählung bei: Aber wo ist diese Liebe unter den Christen zu finden? Wir wissen wohl, daß dergleichen Klagen sehr oft nur eine kahle Entschuldigung sind, mit der man sich selbst rechtfertigen will; denn die Liebe selbst, die wahre, wesentliche Liebe hat unter Israel gelebt, und wie hat Israel gegen diese Liebe gehandelt? Hat diese vollkommene Liebe, die aller Feindschaft, allem Haß, aller Verfolgung nur Wohlthun, Segen, heiße Thränen der Wehmuth und des Mitleids

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