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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 5-6 (1867) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
5-6 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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87 jenes Individuum zu den Juden oder zu den Christen gehört. Man hört daher auch bisweilen die Frage, die bekannte Kurgäste an einander richten: Sagen Sie mir doch, ist denn der und der ein Jude oder ein Christ, man kann aus seinen Reden gar nicht klug werden, zu welcher Religion und Nationalität er gehört? Man geräth um so leichter und eher in diesen Zweifel, da diese aufgeklärte Klaffe von Juden so oft fich ihrer Nationalität schämt und daher dieselbe auch gern verläugnet, oder wenigstens nicht gern kundgiebt, und sich freut, daß in den Pässen und Meldebüchern die Religion keine besondere Rubrik mehr bildet, die ausgefüllt werden müßte. So ist z. B. eine Dame hier, die sich im Umgänge mit Andern bald für eine Protestantin, bald für eine Katholikin ausgab, und von der sich dann doch schließlich herausstellte, daß sie eine Jüdin ist. — Von irgend einer religiösen Pflichterfüllung der Juden, von irgend welcher Ausübung eines religiösen Gebrauchs habe ich noch Nichts gehört oder gesehen. An irgend eine Beobachtung des Sabbaths ist nicht zu denken; daß an diesem Tage an einem oder dem andern Orte Einige zusammenkämen zu einer Art Gottesdienst, davon ist mir Nichts bekannt geworden. Von Beobachtung der Speisegesetze ist natürlich keine Rede. Nur von Einem Juden erzählte man mir, daß er in dem letzten Stück sich streng jüdisch gehalten habe und zu dem Ende auch sich sein Fleisch von einer andern Stadt kommen ließ. Dieser Jude soll sehr krank hier angekommen und bald nach kurzer Zeit gestorben sein. — Im Tode hört aber die Gleichheit und Einheit zwffchen Juden und Christen auf, da tritt die Scheidung ein; denn auf einem christlichen Gottesacker wird kein Jude beerdigt, und da sie hier keinen eigenen Begräbnißplatz haben, so werden ihre Leichen entweder in ihre Heimath, oder in die einige Meilen entferntere Stadt gebracht, wo ein jüdischer Friedhof ist, und dort beerdigt. Mit den vorangehenden Bemerkungen will ich aber keinesweges ein absprechendes Urtheil über den innern religiösen Zustand jedes Einzelnen fällen. Es kann ja wohl der Eine und der Andere im Stillen und Verborgenen doch trauern über den großen und argen Verfall und selbst nicht so ganz ohne alle Religion sein; es ist doch wohl noch hierund da ein religiöses Gefühl, oder auch ein Gefühl

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