Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Von Jerusalem anfangend begannen daher die Apostel das gebotene Werk. Aber Israel weigerte sich das Volk der neuen Gottesgemeinde zu werden, an welches die anderen Nationen sich anschlössen. Da berief die Liebe Gottes, welche doch nicht vergeblich ihre Gnade angeboten haben und nicht um Israels willen sie ruhen lassen wollte, einen Feind Jesu aus Israel, welcher einen neuen Weg, durch den Gott dennoch zu den Herzen der ganzen Menschheit drang, einschlug. Saulus, wunderbar durch die Lebensmacht des von ihm verfolgten Jesus zum Glauben überwunden, wird als Paulus ein Apostel der Heiden. Vergeblich bietet er noch einmal von Jerusalem bis Rom seinem Volke die Gnade an, die doch ihm zuerst zu Theil werden sollte, und so trägt er dann die Predigt vom Reiche Gottes zu den Heiden. Die Heilsgemeinde löst sich zeitweilig ab von den Juden, an welche sie seit 2000 Jahren gebunden war, und wird eine Gemeinde der gläubig gewordenen Völker. Das wird sie in steigendem Maaße, wenigstens dem Umfange nach, denn die Liebe, welche alle Menschen umfassen will, wirkt durch Jahrhunderte fort, daß auch zu den unbekanntesten und fernsten und versunkensten Völkern Schaaren solcher Boten ausgehn, die jene in das Reich des wahrhaftigen Gottes, in die Kirche Jesu Christi einführen. Und wird ein Volk glaubensmatt, dann reizt die Liebe Gottes das abgefallene durch den fröhlichen Glauben eines anderen; stirbt das eine seinem Beruf ab, so erweckt diese Liebe ein anderes, welches den Apostelberuf unter den übrigen aufnehmen muß; es ist kein Stillstand zu finden, sondern augenscheinlich arbeitet das Evangelium fort, bis alle Völker die Einladung zum Reiche Gottes empfangen haben. Aber die Geschichte der Jahrhunderte nöthigt uns doch zu dem Glauben, welchen die Weissagung sowohl der alttestamentlichen als der neutestamentlichen Schrift ausspricht, daß Gottes Reich weder durch ein einzelnes Volk noch durch die Gesammtheit der Nationen der Völkerwelt zu seiner Vollendung geführt werden wird. Die Macht der Sünde wird je mehr und mehr — die bisherige Entwickelung bestätigt es schon jetzt — die Gewalt über die Völker erlangen; der natürliche Trieb, welcher nicht das Leben mit und in Gott, 6*