Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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81 den Gott der Liebe sah; wer sein Wort hörte, die Stimme des Gottes der Liebe hörte; Gott Vater bekannte sich zu ihm in den Wundern, aus denen Gottes Kraft hervorleuchtete; er bekannte sich zu ihm durch die Seligkeit seines Lebens, das Niemand auch nur einer Sünde zieh. Da er unter seinem Volk erschien, brach Gottes Reich mit Macht herein, denn die Uebel der Erde und die bösen Geister, welche die Menschen quälten, flohen; da er auftrat, erhob sich nach Jahrhunderten zum ersten Male wieder ein Prophet, und derselbe bezeugte Jesum als den Sohn Gottes, bezeugte ihn freilich auch als das Gorteslamm, welches der Welt Sünde trägt, denn die durch die Sünde verschuldete Armuth und Noch der Erde, wie sie in der Niedrigkeit seines Volks und seines Hauses eine Gestalt gewonnen, lag aus ihm. Da eiferte nun die Liebe Gottes, daß die Juden zuerst seinen eingeborenen Sohn, der ihre Sünde trug, um sie von hinnen zu nehmen, mit Buße und Glauben empfangen möchten. Er stellte es durch die Erfahrung vieler Jahre vor ihre Augen, wie sein geliebter Sohn, obwohl ihn Niemand zwang, und Legionen Engel seines Winks gewärtig waren, nur einen Willen hatte, den Gehorsam des Vaters; er redete zu ihnen von seiner Liebe durch den Tod des Sohnes, der um ihr Leben mit unaussprechlicher Angst seines Leibes und seiner Seele arbeitete; Gethsemane und Golgatha predigten von einer solchen Liebe des Vaters und des Sohnes, die eins geworden war durch Bluten und durch Sterben die Menschen zu retten, und das leere Ostergrab bezeugte unter dem Zittern der römischen Wächter und unter dem Frohlocken der so lange verzagten, ungläubigen Jünger, daß der Lebensfürst den Tod bezwungen und den verschlossenen Zugang zum ewigen Throne des Vaters geöffnet habe. Denn die Liebe Gottes hatte noch kein Ende. Der Vater entrückte den Sohn nicht um der Sünden seines Volkes willen zum Stuhl seiner Gottheit, so daß er fortan wieder allein wie vorder Menschwerdung in göttlicher Gleiche lebte, sondern er gab ihm neu die im Tode abgethane Menschheit wieder, daß er sie mit seiner göttlichen Majestät verbinde und fortan zum Lebensquell für das abtrünnige Israel und alle Völker mache. Gottes Liebe läßt eben nicht ab um die Herzen zu werben, sie versucht alle Wege ihrer Güte, ihrer Langmuth, ihrer Barmherzig- 6