Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554757-2554761--04718-2560655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 vorbildend und nach vorn hin weisend der Geist der Weissagung; unter ihm walten die Kräfte der Wunder, welche während dieser Zeit, die doch durch den Zorn Gottes unser Leben um der Sünde willen zerstört, als Lichtstrahlen des zukünftigen 'Lebens der Erlösung aufleuchten; unter ihm ist der Tempel mit seinen Opfern, die lebendige Predigt der Zeit, da Gott unter seinem Volk und seinem Lobe wohnen wird, nachdem ihm die Sünde vergeben ist — das Größte wie das Kleinste in diesem Volk ist gottbezogen, und gibt es kein einziges Lebensgebiet, kein einziges Verhältniß geistiger oder natürlicher Art, dem nicht in Israel durch sein Gesetz, das alle Lebensbeziehungen des Menschen in den Kreis seiner Bestimmungen einreiht, das Gepräge der Gottdurchdrungenheit, wenn auch der Stufe des jeweiligen Reiches Gottes entsprechend, auf elementare Weise aufgedrückt wäre. Als ein Volk solcher Art wird Israel inmitten der Länder der damals bekannten Welt eingepflanzt, aber kaum in Canaan heimisch geworden, vergißt es des Herrn, seines Schöpfers, und erstickt in sich selbst die Erkenntniß des göttlichen Rathes, dem es doch dienen soll. Israel aber hat nur das Recht der Selbstständigkeit, so lange es ein Volk des göttlichen Liebeswillens ist. Darum, sobald es seinen Gott verläßt, wird es ein Knecht in seinem eigenen Lande und denselben Heiden preisgegeben, denen es vorher ein Schrecken geworden war. Sobald jedoch Israel nun wieder in der Angst seiner Seele zu dem Gott seiner Väter aufschreit und ihm sich demüthigt, rettet es die Liebe dieses Gottes Jehovah wieder. Aber nicht die zusammengeraffte Menge des Volks zerbricht das aufgelegte Joch, sondern die Erlösung ist Sache seines Herrn, der ihm Heilande, die Richter, erweckt, mit denen seine Wundermacht ist, so daß die Strafe wie die Erlösung einen göttlichen Ursprung zeigt. Jehovahs Hand und ihr Liebeswalten wird aber nicht minder in der nächsten Folgezeit deutlich. Gerade das durch die Erniedrigung, Schmach und Zerrissenheit der Richterperiode in sich ohnmächtig gewordene Volk, dem selbst die einzelnen Helden keine beständige Ruhe brachten, erhebt die Liebe Gottes durch die Leiden und Kämpfe des Hirtenknaben David zu einer gebietenden Macht, zu der Einheit eines Reiches. Doch nicht die Heldenstärke eines gewaltigen