Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 sehn möchten von Angesicht zu Angesicht. Aber Kain und ihm nach das wachsende Geschlecht mit geringen Ausnahmen flieht vor dem Angesichte des Herrn und macht dieses Leben fern von der Gemeinschaft Gottes sich angenehm durch mancherlei Erfindungen, durch mancherlei Genüsse des Fleisches und des Geistes und durch eine Zertrennung seiner Arbeit in verschiedene Beruföarten. Man klammert sich mit Hast an die Erde, welche das Leben zum Staube ruft; man macht den verfluchten Boden zur sicheren, festen, bleibenden Wohnstatt; man will die Schwere des gegenwärtigen Verhängnisses nicht fühlen, sondern wendet sich eifrig dem Genuß des Augenblicks und der sinnlichen Welt zu. Das Todeöloos mahnt nicht zum Ernst, sondern zur Entfaltung aller Kraft, um, ehe der Tod seinen Raub vollbringt, die möglichste Lust für die Augen, für das Fleisch und für die Hoffahrt, welche den Menschen auf seine eigenen Füße stellt, davon getragen zu haben. Darum wird die Gottesferne immer augenfälliger. Die wilde Lust des Fleisches greift in der Vielweiberei um sich; der doch zu erleidende Tod wird in die That des Mordes umgewandelt und diese That erhebt dann den Menschen über seine Todesfurcht hinaus, macht ihn dem Tode gegenüber selbst zum furchtbaren, Ruhm beanspruchenden Helden; endlich werden die Schranken niedergerissen, welche die Menschen und die Geisterwelt trennen, und eine Vermischung beider geschieht, durch welche ein teuflisches Geschlecht auf Erden erwächst. Gott ist durch die Predigt eines Samens, der sich von seinem Geist hat strafen und zur Frage nach seinem Leben treiben lassen, Allen nachgegangen; sie haben das mahnende Wort verachtet und sind in satanische Tiefen frechen Muthes hinabgestiegen — aus scheint es zu sein mit dem, was der ewige Liebesrath ersonnen hat. Aber die Gottesliebe wird stärker als der Hölle Macht; Gott vertilgt durch eine Fluth die unrettbar verlorene Art, welche nicht mehr „Weibessame" genannt werden darf und erhält mit Noah 8 Seelen, daß von ihnen ein neues Geschlecht entstamme, welches seine Gabe anzunehmen vermöchte. Aber auch in diesem Samen ist das Gericht schnell vergessen; die große Menge fragt bald nicht mehr nach dem Leben der Zukunft und der Verheißung, dagegen sammelt sie sich bei Babel zu Haus und verbindet