Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 5-6 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Leben geworden und doch sein eigenes Leben nur in der Liebesgemeinschast GotteS hat, ist eben dadurch ein Bild des Sohnes Gottes; gleich wie auch in dem andern Stücke seine Ebenbildlichkeit mit dem Sohne hervortritt, daß er mit derselben Natur, über welche er herrscht, durch Bande der Verwandtschaft verknüpft ist, und daß er eben um solcher Verwandtschaft willen auf Ke zu wirken, ihrer Vollendung sie entgegenzuführen vermag. Wer aber hat je so Hohes von dem Werth und der Aufgabe des Menschen gelehrt als die Liebe des Gottes, welchen die heilige Schrift uns verkündigt? Daß wir freilich nicht auf dem geraden Wege zur Erreichung eines solchen Zieles sind, sagt einem jeden, der nur auf die innere Stimme seines Herzens achtet, der Sinn für die Wahrheit. Denn obwohl das Geschlecht der Menschen die Kräfte der Natur in steigendem Maße entfesselt und sich unterthan macht, die Kraft der Liebe wächst nicht mit den großen Erfolgen der Künste, der Wissenschaften, der Erfindungen, sondern vielmehr die Zerrissenheit, und neben dem Glanze werden immer greller die dunklen Schatten des Elendes unter denen, die doch allzumal Brüder sind. Woher diese Erscheinung stammt, das ist nicht schwer nachzuweisen. Dasjenige, was wirklich die Menschen nach der gewissen Erfahrung aller Jahrhunderte eint, die Liebe des Gottes der Liebe, welchen wir heute als Gott Vater, Sohn und heiligen Geist kennen, ist nicht mehr der Quell, aus welchem die Bestrebungen der Menschen entspringen; das Band mit Gott ist in höherem oder geringerem Maße bei Allen zerrissen, und gerade diejenigen, welche das tiefste Verlangen nach der Gemeinschaft mit Gott in sich tragen, bekennen es mit dem ernstesten Schmerz, daß nicht die Liebe Gottes die Alles erfüllende und bestimmende Macht ihres Lebens sei. Die Menschen haben es gelernt nach eigenem Gelüsten der Erde ihre Süßigkeiten und Herrlichkeiten zu rauben; sie haben es gelernt eine Freiheit zu erstreben, in welcher sie ganz allein ihre eigenen Herren sind, in welcher sie nur sich selbst meinen, in welcher sie sich selbst zum Anfang und Ende machen , daß eben um deßwillen nunmehr der Zorn Gottes über ihnen liegt. In seines Sohnes Leben hatte Gott sie geschaffen, in seines Sohnes Leben hat er sie geliebt, nun ist durch die schnöde Selbstliebe die reine Art des