Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 3-4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 Frauen, welche kaum die einfachsten biblischen Geschichten aufzufaffen vermögen. Es ist mir begegnet, daß eine derselben auf meine Auffordemng zum Gebet erwiederte: „Sie könnte das nicht, in ihrem Ort beteten nur die Männer." So tief sind die Frauen erniedrigt, daß fie gleichsam auch die Religion als ein ausschließliches Vorrecht der Männer betrachten! — Darf es uns da wundern, wenn auch bei denen, die Christen, ja evangelische Christen geworden find, noch so viele Mängel hervortreten. Es ist aber viel schwerer aus einem seit Jahrhunderten versumpften Volksleben stch herauszuheben, als sich die deutlich machen, welche in der Heimath zwar auch Elend und Schäden genug, aber doch die freie Verkündigung deK Evangeliums, evangelische Erziehung und Freiheit haben. Ich komme hiermit noch auf unsere kleine Bethlehemer Gemeinde — evangelische Araber, meist aus der griechischen Kirche herübergetreten — welche dem Jerusalemsverein und so auch nur als besonderer Pflegling am Herzen liegt. Sie wissen, daß diese Gemeinde jetzt durch Erbauung eines eigenen Schulhauses mit Versammlungssaal, in welchem Missionar Müller mit seiner Frau auch eine kleine Mädchenschaar erzieht, einen festen Mittelpunkt gewonnen hat. Aber schon die beständigen offenen oder geheimen Angriffe der Griechen und Lateiner, die hier durch große Klöster vertreten find und denen die Mehrzahl der Bevölkerung Bethlehems angehört, sorgen dafür, daß das Werk nicht darf stehen bleiben. Bethlehem, dieser Quell des Friedens, der über alle Vernunft ist, von dem der Friedenskönig ausging, ist gemäß dem Wort dieses Königs „ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert" schon jetzt zu einer Art Kampfplatz geworden. Druck von allen Seiten von andern christlichen Religionsgemeinschaften, Druck von oben, von der Wllikürregiemng des Landes machen der jungen Gemeinde das Leben schwer und möchten sie am Liebsten ersticken. Und das ist, obwohl ich davon hier zuletzt rede, eigenüich mein erstes und größtes Anliegen, für welches ich helfende und fürbittende Theilnahme in Anspruch nehmen möchte. Nachdem in den beiden letzten Jahren zu den oben genannten Mißständen sich die Heuschrecken gesellt haben, ist die Armuth unter unseren ohnehin! armen evangelischen Brüdern immer größer geworden, und habe ich mich von Herzen gesehnt mehr Mittel in Händen zu haben, um da