Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 3-4 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Gott erwählt sein." Dann fügt sie, wie aus einer Verlegenheit sich erholend die eigenthümliche Bemerkung hinzu: „Ohne daß in der Schrift angegeben ist, auf welche Weise sich diese Wahl bekunden sollte." In dem ganzen Artikel ist weiter keine Rede davon, daß Gott mit der Wahl des Königs irgend Etwas zu thun hatte; die ganze Angelegenheit ist vielmehr dem Volke überlassen, etwa nach dem bekannten und beliebten Sprüchworte: Vox populi vox dei, daß heißt hier, wen das Volk wählt, der ist der Erwählte Gottes. Wir wissen nicht, ob die Bemerkungen S. 111, 112 einen andern Sinn geben. Dort lesen wir: „Dem tiefblickenden Geiste Samuels mußte es einleuchtend sein, daß gerade die Einschränkungen, welche diese constitutionelle Bedingungen dem Könige setzten, diesen leicht veranlassen mußten, um seine Machtsphäre zu erweitern, über das Gesetz hinaus zu gehen; ja, daß er oder seine Nachfolger im Laufe der Dinge der Versuchung anheim fallen würden, gegen das ganze religiöse Wesen Israels aufzutreten, es zu beseitigen, um an dessen Stelle ein rein politisches Königthum, ein absolutes und despotisches, wie es in Asten überall zu finden, aufzurichten. Samuel wollte daher dem israelitischen Königthume ein besonderes religiöses Moment einsenken, und dies war dem gottbegeisterten Propheten völlig natürlich. Ihm war, und so stellte er es auch dem Erkorenen und dem Volke selbst vor, der König von Israel ein Erwählter Gottes, auf welchen ein göttlicher Geist gelegt werde; und in diesem Sinne salbte er den König mit dem heiligen Salböl, mit welchem der Hohepriester gesalbt wurde. Es ist offenbar, daß der König hierdurch einen religiösen Nimbus erhalten sollte." Das soll richtige Deutung, richtiges Verständniß der heiligen Schrift sein! So wenig der Verfasser sich scheut zu erklären, der König wurde vom Volke gewählt, so frisch weg stellt er noch eine andere eben so grundlose Behauptung auf, nämlich die, das Volk habe sein Wahlrecht in die Hände Samuels niedergelegt. Eine Lüge erzeugt die andere. Weil die Bibel Nichts davon weiß, daß das Volk seinen König gewählt habe, so hilft man sich damit zu sagen, es übertrug sein Wahlrecht einem Andern. Einen Beweis für seine Behauptung hat natürlich der Verfasser nicht gegeben. Wir lesen 1. Samuel 8, 5,