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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 1-2 (1867) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
1-2 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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S7 Umständen nicht sehr bewunderte. Ein scheinbarer Frieden zwischen dem Negus und dem Primas rief verschiedene Muthmaßungen unter den Gefangenen hervor. Eines Abends schlich sich ein junger Bursche, im Dienste des Consuls, welcher mit andern Bedienten zu seinem Herrn zurückgekehrt war, an mich heran und steckte geschickt ein kleines Stück Papier in meine todten und gefühllosen Hände. Ich legte es schnell in meine Bibel, indem ich glaubte, daß es ein Brief von Herrn Flad sei — eine Täuschung, welche mir die arabischen Buchstaben bald zeigten. Die Note war von dem Bischöfe und ihr Anfang lautete: „Meinem Bruder in Christo, dem Diener der Propheten und Apostel" u. s. w. Dann bezog er sich auf die Leiden, welche Alle und besonders ich seinetwegen erduldet hatten, und nachdem er mehrere geeignete Stellen der Schrift angeführt hatte, schloß er plötzlich mit einer Bemerkung über Geld. Bei dem schwachen Schimmer des Lichts der Wächter schien es mir, als ob der Abuna erwartete, daß ich binnen Kurzem eine neue Unschuldsprobe von der vergeltenden Rache des Negus zu erdulden haben würde, und daß er, über den Ausgang zweifelhaft, wünschte, daß ich ihm eine Anweisung auf das Geld schicken möchte, das ich ihm schuldete.*) Diese Anzeige, denn für eine solche hielt sie meine verworrene Einbildungskraft, gab mir für einen Augenblick einen Stoß, und indem ich das Unglück verkündende Schreiben zwischen meine erstarrten Finger nahm, hielt ich es heimlich an das Licht, wo ich dann zu meiner Genugthuung fand, daß es anstatt einer Anweisung auf das Geld, das-ich geborgt hatte, ein großmüthigeö Anerbieten enthielt, mir noch mehr vorzuschießen. Dieser Zwischenfall, so geringfügig er scheinen mag, erfüllte mich, wie auch meine Mitgefangenen mit einer geringen Hoffnung, daß durch die Versöhnung mit dem Abuna auch unsere Angelegenheiten in eine gerechte und ehrliche Erwägung gezogen worden sein möchten — eine Voraussetzung, die nicht unerfüllt ge- *) Aus dem Vorhergehenden wird man sehen, das Capitain Cameron und Herr Stern mit dem Abuna im Verkehr wegen Geldangelegenheit standen, und ohne Zweifel zwang sie die Nothwendigkeit ihre Zuflucht zu seiner Hülfe zu nehmen, da sie Beide ohne die Mittel waren, sich das zu verschaffen, was zu ihrer Erhaltung nöthig war, als Folge davon, das aller Zufluß für den Consul von dem Könige verhindert wurde; und daher waren sie zu einer Zeit, wie Herr Rosenthal berichtet, beinahe in der Lage zu verhungern.

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