Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 meistern), welchen ich sicher in Massowah oder Egypten glaubte, wo er, so viel ich weiß, auch jetzt herumstreift, mich oft damit ergötzt hatte, daß er mir Bruchstücke aus der Geschichte des Negus erzählte. Und da boshafte Zungen diese flüchtigen Gespräche wieder erzählt haben konnten, so sagte ich: „Gebra Egziabeher" erzählte mir oft von den Heldenthaten des Königs, und auf meine Bitten theilte er mir auch einige Einzelnheiten mit in Bezug auf seine Geburt und Erziehung; aber niemals äußerte er ein Wort, um Seine Majestät herabzusetzen, denn er wußte, daß in Egypten und in Europa, wo er gewesen, ein Mann wegen seiner Handlungen und nicht nach seiner Abkunft geschätzt werde. „Ich werde dies dem Negus berichten," war seine kurze Antwort. Langsam flössen die ermüdenden Stunden des Schreckens und der Furcht dahin. Unsere Nerven waren furchtbar zerrüttet, und auch unser Gemüch würde seinen Halt verloren haben, wenn nicht die Religion mit ihrem tröstenden Einflüße die Leiden und Mühseligkeiten unsers Daseins gelindert hätten. Die Bibel, Gebete und die Erklärung einer passenden Stelle am Morgen und Abend waren es, womit wir uns regelmäßig beschäftigten. Kein bitterer Hohn, kein harter Ausdruck, kein unreines Wort characterisirte unser Beisammensein — Religion bildete ein wunderbares Band der Eintracht; und wenn ich auf die andächtigen Blicke hinsah, welche auf das heilige Buch gerichtet waren, wenn ich den Text erklärte, so hegte ich die Hoffnung, daß die mit so großem Zorn geschwängerten Wolken von einer Flukh ewiger Barmherzigkeit begleitet gewesen seien. Unsere Angelegenheiten hörten zu unserer unendlichen Freude plötzlich auf das Gemüth des Königs zu beschäftigen, und es ereigneten sich nur wenig Zwischenfälle, welche unsere traurige Ruhe unterbrachen. Eines Tages hörten wir ein dumpfes Geschrei: „der König, der König," das in unserem Zelte einen wahrhaft panischen Schrecken hervorrief. Seine Majestät, von einem Schildträger begleitet, hatte sich in der That in die Gegend unseres Gefängnisses verirrt; aber zu welchem Zwecke bleibt bis auf diesen Tag ein Geheimniß. Bei einer andern Gelegenheit, als die Wachen gewechselt wurden, machte mich Bascha Engeda auf eine Auszeichnung als einen besonder» Gegenstand von Interesse aufmerksam, welche ich unter obwaltenden