Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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_85_ gewesen ihren gewohnten Dienst zu leisten, so würde ich, wenn mich eine gnädige Vorsehung nicht davon zurückgehalten hätte, mein kleines Kästchen geöffnet und im Augenblicke des Wahnsinns mit Einigen oder Allen meiner Mitdulder den tödtlichen Trank genommen haben. Madame Rosenthal hatte ein ähnliches Verlangen nach Laudanum, und sie betrachtete es, wie sie mir später sagte, als eine große Gnade, daß sie das gefährliche Fläschchen nicht erreichen konnte, da sie in der völligen Zerrüttung des Geistes und Leibes ihrem eigenen und ihres Kindes elenden Dasein ein Ende gemacht haben möchte. Schläfrigkeit, dieser Engel des Mitleids, schloß nach und nach unsere Augen, und die Nacht verging in dem Zustande einer träumerischen Betäubung. Beim Morgendämmern erschien die boshafte Gestalt Samuels an der Thür unsers Zeltes. „ Cocab," begann er mit einer dumpfen grabähnlichen Stimme, der die Schwelgerei der vorhergehenden Nacht mehr als die Botschaft des Uebels, deren er sich zu entledigen im Begriff war, einen furchtbaren Ernst gab; „Cocab, Seine Majestät weiß, daß Sie sich nicht vor dem Tode fürchten; aber glauben Sie nicht, daß er beabsichtigt, Sie zu tobten; im Gegentheil will er Ihr Leben erhalten und sie martern, bis das Fleisch an Ihren Knochen verfault." „Daß dies nicht eine leere Drohung ist," fuhr der grausame Abgesandte fort, „beweisen die letzten beiden Nächte, und viele ähnliche, die noch im Vorbehalte sind, werden es beweisen. Genügen Sie daher dem Negus, oder jene Stricke werden bei — bald das heraus pressen, was Sie jetzt als Gunst verweigern." Der Anblick der Marterwerkzeuge, welche auf einem Haufen in einer Ecke unsers Zeltes lagen, machte meinen Kops schwindelnd, und indem ich meinen gefolterten Leib erhob, sagte ich: „Samuel, ich habe Ihnen gestern Abend meine Unterredung mit dem Bischöfe erzählt, und wenn Ihnen das nicht genügt, so geschehe Gottes Wille; ich werde keine Lüge sagen." Durch meine Leiden gerührt, hielt der unversöhnliche Untersucher einen Augenblick inne, und fing dann wieder an: „Zugegeben, daß der Bischof Ihnen nicht die falsche Nachricht von der Abkunft Sr. Majestät mittheilte, so werden Sie den König, da er Beweise hat, doch niemals überreden, daß Sie die Nachricht nicht von Einigen seiner Priester und Hausgenossen erhielten." Ich erinnerte mich nun, daß einer von des Abunas Shums (Haushof-