Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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beschuldigen er von mir verlangt." „Gut," war die lakonische Antwort, „so werden Sie alle wieder mit Stricken gefoltert werden, und das viel heftiger als in der letzten Nacht." Ungewiß über unser Schicksal vergingen Augenblicke, Minuten und Stunden in folterndem Zweifel. Gegen Abend drängte sich S —, der Unglück verkündende Bote uns wieder auf. Er schlich sich nahe zu Capitain Cameron und untersuchte mit äußerster Emsigkeit seine Wunden. Seine Leutseligkeit und Herablassung gab mir Muth ihn zu fragen, warum der Negus die alte Sache wieder aufgefrischt habe, nachdem er mir volle Verzeihung gewährt. Bei diesen Worten lagerte sich eine finstere Wolke auf sein Gesicht, und als ob er nach Lust schnappe, starrte er mich einige Secunden an und ergoß sich in einem Strome schrecklicher Schimpfreden gegen mich: „Hund, Falascha, Schuft u. s. w., wie dürfen Sie es wagen, die Handlungen des Königs zu tadeln und seiner Macht hartnäckig Trotz zu bieten? Sehen Sie hieher und betrachten Sie die Leiden, welche Sie Ihren Brüdern zugezogen haben. Das ist der arme Herr Bardel, und wissen Sie, wer hier liegt?" indem er auf den Consul zeigte. „Das ist Viktoria!" So zerbrochen und niedergedrückt ich war, so zitterte und bebte doch mein ganzer Körper bei diesem unverdienten Vorwurfe. S— bemerkte dies, wie ich glaube, und flüsterte mir vertrauensvoll zu, indem er sich zu mir herabbeugte: „Kommen Sie heraus, ich möchte mit ihnen sprechen." Als er in der frischen Luft war, verwandelte sich der wüthende Höfling in einen sanft schmeichelnden Knecht. Indem er seine Hand auf meine schmerzende Schulter legte, sagte er zärtlich: „Glauben Sie nicht, daß ich über Sie zürne, im Gegentheil, ich bewundere Sie; aber was fesselt Sie, daß Sie des Bischofs wegen, der weder Ihr Landsmann, noch Ihres Glaubens ist, den Zorn des Königs auf sich laden und sich der Leiden aussetzen. Er ist mein Abuna (er vergaß, daß er mir oft gesagt hatte, er wäre Protestant); aber Sie sind mein Freund, und ich bekümmere mich nicht darum, was ihn treffen mag, wenn Sie nur (dessen Brodt ich gegessen habe) dadurch, daß Sie den Negus verpflichten, Ehre und Gunst erlangen." Ich schüttelte mit dem Kopfe, und der besiegte Inquisitor eilte weg, indem er keinen sehr liebevollen Segen auf mein Haupt herab murmelte.