Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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so Weh. Der Negus wahrscheinlich fürchtend, daß wir einer längeren Tortur unterliegen und so den Krallen weiterer Rache entgehen würden, befahl nun, uns von den Stricken zu befreien. Augenblicklich beugten sich ein Dutzend Schwarzer über uns und lösten die Stricke. Dies verursachte entsetzliche Schmerzen, denn die von den gleich Marmor harten Gliedern sich lösenden Stricke rissen Haut und Fleisch in breiten blutigen Stücken vom Leibe. Unglaube, Zweifelsucht, Hohnlachen und Spott verwandelten sich nun insgesammt in einen tiefen, starken Schrei der Angst, Furcht und Verzweiflung. In Willfahrung der Bitte von Einigen meiner Mitgefangenen, schüttete ich die Gefühle meines Herzens im Gebete aus, in welchem Sorge, Seufzen, Vertrauen und Glaube mit einander vermischt waren. Unsere Wächter und alle Bedienten, welche bei Annäherung des Königs fortgelaufen waren, leisteten uns nun mit einem sehr theilnehmenden Geiste, so characteristisch in der Wandlung der Gefühle bei den Barbaren und Wilden, allen Beistand, der in ihrer Macht stand. Mein eigener „Kuranyi,“ der Mann, an den ich gefesselt war, ein gütiger Galla aus Enerea machte meine Pritsche zurecht, auf der ich schlief, und wickelte auch sanft meine verwundeten Arme in die weichen Falten des Shamas. Ein freudenloser und trauriger Morgen folgte auf eine quälende und sorgenvolle Nacht. In nervöser Aufgeregtheit erwarteten wir irgend eine neue quälende Botschaft vom Könige; aber zu unserer Freude ritt er aus, und der Vormittag floß langsam dahin in Stillschweigen und stoischer Gefühllosigkeit. Gegen Mittag kam der Oberste von den Wächtern in unser Gefängniß und drang nach einigen flüchtigen Bemerkungen in mich Sr. Majestät zu genügen. „Sagen Sie denen, welche Sie gesandt haben," erwiederte ich, „daß ich die Wahrheit gesagt habe, und wenn der König mir nicht glaubt, so kann ich auf dieses Buch*), die Bibel, welche ich in meinen gelähmten und geschwollenen Händen in die Höhe hob, schwören, daß der Bischof niemals mit mir über den Gegenstand sprach, dessen ihn zu *) Es fiel mir damals nicht ein, daß in Abyssinien der allein bindende Eid der „bei dem Tode des Königs" ist, oder der Verbannung des Abnna.