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Dibre Emeth · 1867-01-01 · 1-2 (1867) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
23 (1867)
Issue
1-2 (1867)
Date
1867-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Die Schatten der Nacht waren unterdessen schwarz und finster um uns herum geworden. Die Wachen nahmen ihre Posten ein, und die weißen Gefangenen bereiteten sich, indem sie sich der wachenden Fürsorge Gottes übergaben, zu einem unruhigen Schlummer. Das plötzliche Geflüster von Stimmen und der Klang herannahender Tritte machten, daß wir uns von unfern Lederhäuten erhoben. „Cocab!" „Rosenthal!" „Makerer!" brüllten mehrere Stimmen zugleich. Indem wir mechanisch auf unsere Füße sprangen, waren wir in einem Augenblicke aus dem Zelte. Verschiedene schwarze Gestalten umgaben mich im Nu und schlugen in unbarmherziger Wuth mit ihren harten Händen in meine Augen und Gesicht. Schlag auf Schlag fiel in rascher Aufeinanderfolge betäubend auf mich, während zur selben Zeit die Stricke rasch um meine verwundeten und zerfleischten Arme gewunden wurden. „Bindet auch seine Beine, wenn er nicht bekennt*) erklang es in tiefem, aber deutlichem Tone aus dem königlichen Zelte, und hallte wieder aus drei andern Kehlen von Männern, welche in abgemessenen Entfernungen standen, um meine Antwort zurück zu geben. Meine von Schlägen getrübten Augen traten beinahe aus ihren Höhlen, meine Adern begannen zu schwellen, meine Nerven zitterten, als ob sie zerspringen sollten und mein Herz, durch das unmenschliche Zusammenzichen der Stricke gepreßt, hörte beinahe auf zu schlagen. Fast bis zur Verzweiflung gebracht erhob ich meine entzündeten Augen gen Himmel und betete, daß der bittere Kelch entweder von mir genommen, oder wenn ich ihn bis auf die Hefen leeren sollte, daß dann die Todesangst nicht verlängert werden möchte. Mein Kopf wurde nun benommen, der kalte Schweiß rann an meinem zitternden Leibe herunter, und ich fühlte mich verwirrt, schwindelig und wahnsinnig. „Samuel, Samuel!" schrie ich in wahnsinniger Todesangst: „Was wünschen Sie, was wünschen Sie!" „Sagen Sie dem Negus Alles, was ihnen der Abuna erzählt hat," war seine ruhige Antwort. „O! mein Gott! mein Gott!" rief ich in Gedanken aus, soll ich noch länger dieses furchtbare Märtyrerthum erdulden? und von einem Anfall *) Diese teuflische Erfindung, welche den Umlauf des Blutes gänzlich hindert, können wenig Personen lange ertragen ohne zu unterliegen.

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