Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 gegeben, ja warum hat nicht ein einziger den Mythen und Dichtungen, die offenkundig die Welt überwunden haben, widersprochen und sie widerlegt? — warum nicht wenigstens zu Julians Zeit, der sie wieder gegen Jesu Wort hoch erheben und erneuern wollte? Es giebt nur eine Antwort, und die heißt: sie konnten nicht!" Da es uns zu weit führen würde auf die Entstellungen, sophistischen Bemerkungen u. s. w. hier einzugehen, mit denen der Verfasser der Broschüre die eben angeführten drei Fragen zu beantworten versucht, wollen wir nur seine Antwort auf die dritte Frage mitthellen. Diese Antwort lautet Seite 326 und 327 also: „Sagen wir es offen: die Frage, wie sie hier gestellt ist, konnte nur die völlige Unkenntniß der Geschichte jener Zeiten aufwerfen. Der Kundige weiß, daß das Auftreten Jesu und die erste Bildung der christlichen Gemeinde für die Juden so unbedeutend war und unter der Einwirkung des furchtbaren Kampfes und der darauf folgenden Bedrängnisse so unbedeutend bleiben mußte, daß die jüdischen Schriftsteller, soweit es deren damals überhaupt gab, gar keine Notiz davon nahmen, wie das Stillschweigen des Philo und des Josephus genügend beweisen. Als die griechische Litteratur den Händen der Juden wieder entfiel, wurde von ihnen überhaupt nicht geschrieben, und erst die Sammlungen der Traditionen brachten bei ihnen schriftliche Abfassung wieder auf. Will sich aber unser Kritiker über die Berührungen und Streitigkeiten zwischen den Juden und Judenchristen nach den ersten Jahrhunderten unterrichten, so lese er in Jost's Geschichte des Judenthums (Leipzig 1858) Bd. II. das diesem Gegenstände gewidmete Kap. 3, S. 37 ff. und S. 153 f. f. nach. Zu der Zeit aber, wo das Christenthum mit ausgebildeter Dogmatik auftrat, wo also ein öffentlicher Widerspruch erst möglich gewesen, ganz besonders zu des Kaisers Julians Zeiten, hatte sich die geistige Thätigkeit, der geistige Mittelpunkt der Juden nicht blos aus dem Abendlande, sondern auch aus Palästina zurückgezogen und bestand lediglich in den babylonischen Schulen, wo sie mit dem Christenthume in sehr wenig Berührung kamen. Anfänglich bestand das Christenthnm lediglich innerhalb der ungelehrten Schichten, so daß die jüdischen Gelehrten es gar nicht beachteten. Als es späterhin anders war, erschienen ihnen die Beweise