Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 1-2 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 finden, so haben sie doch nicht mehr die Gewalt wie früher, um ihrem Eifer und Willen Nachdruck zu geben. Mancher wird vielleicht auf diese Verbreitung der heiligen Schrift kein sonderliches Gewicht legen und sagen, daß man ja noch keinen Erfolg von dieser Bibelverbreitung sehe. Versteht man unter Erfolg namentlich Uebertritt der Juden zum Christenthume, so stimmen wir zwar der Entgegnung bei; aber wir möchten dann fragen, sind wir nicht froh und sehen es schon als ein sehr gutes Zeichen an, wenn Namenchristen die Bibel zur Hand nehmen und anfangen in derselben zu lesen, obgleich noch an keine Bekehrung des Herzens zu denken ist? Wir dürfen aber, wenn wir von Erfolgen in dieser Hinsicht reden wollen, niemals vergessen, daß wir kurzsichtige Menschen sind, die bei Weitem nicht allen Erfolg, ja kaum den geringsten sehen. Der beste Erfolg ist oft gerade am längsten und meisten verborgen. Da aber die Bibel Gottes Wort ist, von welchem es heißt, daß es nicht leer zurück kommen soll (Jes. 55, 11.) und das alte wie das neue Testament nicht nur sehr viele Ermahnungen enthält, dieses Wort zu lesen und zu forschen, sondern auch viele Verheißungen, daß dieses Lesen gesegnet sein soll, wenn es nur auf die rechte Weise geschieht: so müssen wir in der zahlreichen Verbreitung der heiligen Schrift unter Israel ein erfreuliches Zeichen der Zeit finden, das uns sagt, daß die Zeit nahe herbei kommt, da Israel den erkennen wird, von dem die Schrift zeuget, Jesum den Messias und Sohn Gottes. Uns kann es auch nicht sonderlich stören, daß das alte Testament von Juden ausgehet; denn an dem hebräischen Texte können und dürfen sie Nichts ändern, und in der deutschen Uebersetzung müssen sie sich doch auch vor allzugroßer Willkür in Acht nehmen. Aber ohnerachtet dieser erfreulichen Erscheinung müssen und wollen wir andrerseits auch sagen, daß sich eine große bittere Feindschaft von Seiten der Juden und namentlich der Orthodoxen gegen das Christenthum überhaupt und gegen das christliche Missionswerk insonderheit kund giebt. Unsere Leser haben dies im verflossenen Jahre aus den Mittheilungen über die Polemik der orthodoxen Juden hinlänglich entnehmen können. Die Polemik der Reform ist etwas gemäßigtes, von ihrer Seite beobachtet man etwas mehr Anstand, man giebt sich eher den Schein der Großmuth und zeigt mehr Verachtung. Die