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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 11-12 (1866) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
11-12 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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189 gebrandmarkt. Die Fastenzeit ging vorüber, und ebenso Ostern — die Zeit der Vergebung und Gnade für nicht mit Blut befleckte Verbrecher — und doch war kein Zeichen vorhanden, daß unsere Fesseln gelöst werden, oder unsere Gefangenschaft ein Ende erreichen würde. Und nun brach der Winter mit seinen Stürmen, Nebeln und seiner Kälte unbemerkt über uns herein. Unthätigkeit, die düstere Aussicht auf Hungersnoth und andere ernste Ursachen erregten in der zum Plündern gereizten Armee Unzuftiedenheit, und deswegen fanden schnelle und häufige Desertionen statt. Diese Zeichen der Unzuftiedenheit unter den wilden Horden, welche die Armee bildeten, hatten keinen günstigen Einfluß auf das zum Zorn gereizte Gemüth des Königs, und die furchtbare „Giraffe," eine lange Geißel, und das verstümmelnde Messer waren in stetem Gebrauch. Eines Tages wurden vor unserm Gefängnisse vierzig Personen Hände und Füße abgehauen, während viel mehr noch den unmenschlichen Streichen erlagen. Am 12. Mai, ein Tag, der wie ein oder zwei andere nie aus meinem Gedächtnisse ausgelöscht werden wird, harte Seine Majestät eine heftige öffentliche Unterredung mit dem „Abuna,“ dem Kirchenhaupte. Ausdrücke, die weder von Würde zeigten, noch apostolisch waren, wurden reichlichst zwischen dem Haupte des Staats und dem Leiter der Kirche gewechselt. Ein Mal hörte ich deutlich meinen Namen nennen, und zwei meiner Mitgefangenen vernahmen, daß er mildem Verheimlichen eines Vorhanges und mit Niederschreiben von Notizen verbunden war. Wie ein Blitz durchzuckte es mein Gemüth, daß es sich auf einen Morgen beziehen müsse, an welchem wir, Capitain Cam. und ich, einige Geldgeschäfte mit dem Bischöfe ordneten, was boshafte Zungen in diesem Lande inquisitorischen Spionirens in eine ungesetzliche geheime Mittheilung verdreht hatten. Der Wortwechsel, welcher gelegentlich sehr laut und dann wieder leiser ward, dauerte gegen eine Stunde, und von dem tiefen Schweigen, welches herrschte, war es klar, daß die Armee den Streit nicht billigte. Seine Majestät des Streites müde bestieg plötzlich sein Pferd und sprengte gefolgt von einer ungeheuren Menge wüthend über die Ebene. Die Muthmaßung über den wahrscheinlichen Ausgang des Streites, in welchem einer, wenn nicht mehrere von uns gewiß verwickelt waren, gelangte nun bei uns zur Reife

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