Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir wurden nicht lange in diesem düstern Nachstnnen gelassen; Fußtritte, daS Gefumfe zahlreicher Stimmen und der Klang der kirchlichen Schirmpalmen kündigten eine außerordentliche Procession an. Plötzlich brachen Sklaven durch den verpalisadirten Thorweg, welcher vom Lagergrunde des Königs zu unserm Gefängnisse führte, und dann folgten eine Menge mit Turbanen versehene Priester, stolze Oberhäupter und hohe Staatsbeamte. Der Primas, in sein einfaches egyptisches Gewand gehüllt mit einer schwarzseidenen Binde, die er nachlässig über sein Haupt und Gesicht geworfen hatte, leitete die Vorhut. Es erhob sich ein geräuschvoller Ruf nach „Cocab“ und dem „Frenchusch." Ueber Hals und Kopf stürzten wir aus unserm Zelte und stellten uns in Ehrerbietung dieser Schrecken erregenden Menge von Würdenträgern der Kirche und des Staats gegenüber. Der königliche Notar, eine hohe, sanfte Persönlichkeit, öffnete nun ein Packet und, indem er eine Mappe aus demselben nahm, die mir einst gehört hatte, stieß er seine ungewaschenen Finger in ein Packet von schmutzigen Papieren und nahm das Dokument heraus, welches die Anklagen enthielt, die aus meinen gestohlenen Bemerkungen und dem Briefe Rosenthals zusammen gelesen waren. Diese wurden vorgelesen, worauf Samuel, in einem milden überredenden Tone, mehr bat als befahl, daß wir diejenigen angeben möchten, von welchen wir die Nachrichten erhalten hätten. Rosenthal, welcher, wie Samuel wohl wußte, keine Verbindung mit dem Bischof hatte, befriedigte in wenig kurzen Aussprüchen den Untersucher. S— wandte nun sein schurkisches Gesicht auf mich und verlangte, daß ich die Quellen nennen sollte, aus denen ich die Nachrichten geschöpft hätte, die in meinen Büchern und Papieren enthalten seien. Da ich mir nach dem Charakter des Königs vollkommen bewußt war, daß die Untersuchung eine ernste Sache sei, so wandte ich mich an Herrn Bardel und fragte, ob er etwas einzuwenden habe, wenn ich die Richtigkeit der Uebersetzung leugnete. Herr Bardel antwortete: „Nein, denn ich habe nur das Englische gelesen. Berrow, Samuel und die „Debterahs," die Schreiber, sind für das Amhariiche verantwortlich. Befreit von der Furcht, daß ich irgend ein menschliches Wesen und besonders einen Mitgefangenen, in Leiden von nicht gewöhnlicher Schwere, verwickeln