Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554749-2554756--04628-2560562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
184 mürrischem Blicke wie ein Teufel in unser Zelt und überreichte dem Consul einen großen vollgeschriebenen Bogen Papier. Da ich nahe bei ihm stand, so warf ich einen Blick auf das furchtbare Dokument und bemerkte ohne meine Bewegungen zu verrathen, daß es ein energischer Protest des Herrn Lejean, ftanzösischen Consuls, gegen die Behandlung war, die er von dem Könige Theodorus erfahren hatte. Capitain Cameron rief, nachdem er es überblickt hatte: „Samuel! Samuel! das ist ein böses Ding;" aber der hatte Abgesandte drang in ihn, ohne auf seine Worte zu achten, dasselbe zu lesen. Nachdem der Aufforderung genügt war, überreichte er es mir und befahl mir, daß ich ihm den Inhalt davon im arabischen mittheilen solle. So lieblos als es scheinen mag, so muß ich doch bekennen, daß es mir einige Genugthuung gewährte, dem Befehle nachzukommen, und unbekümmert um die Falten, welche jeder neue Ausspruch auf seiner finstern Stirn zusammenzog, übersetzte ich jedes Wort und ließ selbst nicht das furchtbare Betragen Sr. Majestät hinweg, dessen er stch gegen den Repräsentanten eines mächtigen auswärtigen Herrschers in voller Uniform schuldig gemacht habe.. Der beleidigte Bote hielt seine kochende Leidenschaft zurück bis ich geendet hatte, und dann machte er seiner ohnmächtigen Wuth in den Worten Luft: „Hund, Lügner, Esel, warum sagtest du nicht dies Alles, als du in des Königs Lande warst." Das kostbare Dokument, das die Eitelkeit, Schwäche und Grausamkeit des Monarchen schonungslos darlegte, muß beim Durchlesen wie ein mit Wiederhaken versehener Pfeil in seiner ehrgeizigen Brust gewühlt haben. Da keine andern weißen Leute da waren, denen man es hätte entgelten lassen können, so erwarteten wir, daß unsere Behandlung eine härtere und strengere sein werde; aber ob von sanfteren Gefühlen geleitet, oder von einer verborgenen Vorempfindung bewegt, daß der Tag der Vergeltung nahen könne, blieb Alles in statu quo, und der „Punch," die „IUustrated London News,“ Anzeigen von Rafirmessern- und Armleuchter-Fabrikanten strömten fortwährend in unser Zeltgefängniß. Gegen Ende Januar waren Gerüchte verbreitet, daß Herr Bardel, welcher im Dienste des Negus nach Casala, der Hauptstadt Sudans, gegangen war, um zu erspähen, was die Egypter zu thun beabstchtigten, auf seinem Rückwege