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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 11-12 (1866) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
11-12 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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183 Briefen waren auch einige für mich; aber da ich ein streng bewachter Miffethäter und unnahbar war, so nahm sie Madame Rosenthal in Empfang. An dem Tage als ihr'Eigenthum zum zweiten Male confiscirt wurde, waren diese längst ersehnten Briefe in einem geheimen Schubkästchen ihres Arbeitskästchens sicher verborgen. Aengstlich besorgt, Alles zu vernichten, was uns von Neuem bloßstellen könnte, versuchte sie, die Briefe hervorzuziehen; aber das scharfe Auge der Wache vereitelte jeden Versuch. Am Abend wurde ihr das Kästchen zu ihrer Freude zurück gegeben, und obschon es erbrochen war, so hatten die plumpen Plünderer das verborgene Gemach doch nicht entdeckt. Madame R— theilte mir sogleich die glückliche Wiedererlangung der Briefe mit, und sie und Madam F lad lasen sie auf mein Verlangen ehe sie den Flammen übergeben wurden. Nachher wurde mir gesagt, daß sie alle bis auf einen harmlos gewesen seien, welcher einige Fragen über den Negus enthielt, welche seinen finstern und stets wachenden Argwohn wieder hätte erregen und mich in neue schwere Gefahren verwickeln können. Im Gefängnisse verbrachten wir unsere Zeit in stiller Unthätigkeit oder ängstlicher Sorge. Dann und wann kam eine Veränderung in die Abende durch Streit mit den Wächtern, welche unbekümmert um den Raum, in Gruppen in unsere Zelte drangen und die bereits erstickende Luft mit dem Gerüche ihrer stinkenden, Kleider und ihrer mit Butter eingeschmierten Köpfe erfüllten. Auch der Negus milderte gelegentlich die traurige Lage unsers Daseins mit einer Botschaft an den Consul, oder dem Geschenke einer Kuh oder einiger Schafe, um unfern erschöpften Speisevorrath zu ergänzen. Bisweilen schickte er auch, um uns um die Meinung einer Skizze aus der „Illustrateä London News,“ — bisweilen eines biblischen Bildes — bisweilen einer illuminirten Anzeige, die aus einem Monatsblatte herausgerissen war, zu befragen; aber am meisten interessirte sich der wißbegierige Abkömmling Salomos an den Carricaturen des „Punch," welche zerstreut unter den geplünderten Urkunden des britischen Consulats lagen. Diese freundlichen Mittheilungen machten die gefürchtete Gegenwart Samuels sehr interessant, und seine Besuche, nicht gering an der Zahl, waren dann immer ergötzlich und angenehm. Eines Tages kam er mit

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