Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 unsere Leiden als Genugthuung für unser Vergehen anzunehmen. S— kam bald mit der Nachricht zurück, daß Seine Majestät die Stelle gelesen hätte, und daß, wie er hoffe, Vergebung der Sünden zu erlangen, er auch Vergebung und gänzliches Vergessen des Vergangenen auf uns ausdehnen wolle, und von nun an, fügte der knechtische Höfling hinzu, werden Sie für den Negus beten, wie der Negus mich beauftragt hat, Ihnen zu sagen, daß er für Sie beten wird. Die Todesschatten, von denen wir zweimal viemndzwanzig Stunden umgeben gewesen waren, waren nun von uns gewichen, und von der gespensterhasten Erscheinung eines grausamen und qualvollen Märtyrerthums besteit, stellten wir noch einmal Betrachtungen über Freiheit an. Begnadigt — und doch in Ketten, wieder eingesetzt in die königliche Gunst — und doch im Gefängnisse, mögen als sinnlose Widersprüche erscheinen; aber man muß bedenken, daß Seine Majestät sich damals im Aufschwünge des Ruhmes befand, und von einer ungezähmten Leidenschaft getrieben, ahndete er die eingebildete Geringschätzung der britischen Regierung an den wenigen hülflosen Fremden, die er in seiner Gewalt hatte. An demselben Tage, an welchem der Negus eine geringe Neigung zur Großmuth und Gnade zeigte, wurden die übrigen weißen Gefangenen, nämlich Madame Flad, Madame Rosenthal, Joseph und Schiller, zwei deutsche Ornithologen, Kerans, Milaby und Makerer, zwei Engländer und ein Franzose, die im Dienste des Consuls waren, von Gondar ins Lager abgeführt. Die zwei Damen, welche nicht wie gewöhnliche Gefangene behandelt wurden, wurden von S— zu dem Theile des Lagers geführt, der von seiner Niederlassung eingenommen war, und die übrigen wurden, nachdem ihnen Ketten angelegt waren, in ein Zelt dem unsrigen gegenüber gebracht. Von Laune oder vielleicht befriedigter Rache getrieben, befahl der König, daß den Gefangenen einige der werthlosesten Artikel von den geraubten Sachen zurückgegeben würden. Hier ereignete sich ein Zwischenfall, welcher die wachende Fürsorge unsers himmlischen Vaters schlagend zeigte und die gepreßte Seele mit festem Glauben und Vertrauen erfüllte. Um die Mitte Novembers 1863 gelangte Herr Kerans mit einem Packete für den Consul in Gondar an. Unter den