Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Zeit ohne eine jener stets wechselnden Schwankungen von Hoffnung und Furcht, welche unter solchen Umständen natürlicher Weise das menschliche Herz bewegen. Der Mittag verging — der Nachmittag neigte stch seinem Ende zu — der Abend kam heran, aber kein Abgesandter des Königs erschien. Eine andere Nacht irdischer Sorgen floß langsam dahin, und ein neuer Tag von Unruhe brach still über uns herein. Endlich gegen Mittag erschien S—, jener Unglücksbote, in unserm Gefängnisse. Nach einer herablaffenden Begrüßung, die er selbst im Augenblick der nichtswürdigen Jntrigue niemals unterließ, forderte er Rosenthal und mich auf aufzustehen und befahl mir im besten Arabisch seines verworfenen Korans, auf Befehl seines königlichen Herrn die bezeichnete Stelle der heiligen Schrift zu erklären. Ich ergriff sogleich das Reue Testament und sagte S—, indem ich das ganze Kapitel erklärte, daß die schreckliche Anklage des Apostels gegen eine ungläubige Welt nicht die entfernteste Verbindung mit den Beleidigungen hätte, die uns zur Last gelegt würden; aber wenn Seine Majestät das Gegentheil glaubte, so beklagten wir beide, daß wir uns seine Ungnade zugezogen hätten und flehten um seine Gnade. S — las nun selbst das Kapitel, und als er zu dem furchtbaren Register von Verbrechen kam, welche darin gegen das gefallene Geschlecht Adams enthalten sind, so machte er, gegen seinen Willen, seinem Erstaunen über die unglückselige Auswahl in dem Ausrufe Luft: „O Janehoi! Janehoi!" „O König! König!" Seine Majestät selbst, sich seiner Anführung der Stelle schämend, oder zufrieden, daß er Leiden genug zugefügt habe, ließ uns, als der Bote zurück kam, benachrichtigen, daß der ungelehrte Jaques Obey dummer Weise mit seinen Fingern auf den letzten Vers des ersten Kapitels gezeigt habe, anstatt auf den Anfang des zweiten. Der Tadel, den er jetzt ertheilen wollte, lag auf der Hand, und daher suchte ich, ohne bei der erklärten Stelle zu verweilen, das harte Herz unseres Unterdrückers zu erweichen, indem ich S— bat, ihn zu benachrichtigen, daß wir beide, Rosenthal und ich, es beklagten, ihn ohne unfern Willen beleidigt zu haben, und daß wir ihn anfleheten, in Nachahmung des mitleidigen Erlösers gegen reuige Sünder, wie im ersten Briefe St. Johannes, im 8. und 9. Verse des ersten Kapitels geschrieben steht, unsere Entschuldigung und