Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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180 an die Römer, welcher an der Spitze des Blattes steht, befahl er mir und Rosenthal, dem Negus am folgenden Tage eine Erklämng dieser Stelle zu geben. Die schauerliche Wichtigkeit der Stelle und das schreckliche Urtheil, das sie über die schuldigen und befleckten Sünder ausspricht, ließ mich Anfangs zweifeln, ob ich unter vernünftigen Menschen, oder tollen Wilden sei; aber als ich mich des schauerlichen Nachdrucks erinnerte, den S— auf die Worte legte, die im Laufe des Hin- und Herftagens meinen Lippen entwischt waren: „Wenn es Gott gefällt, mich wieder nach England zurückzubringen, so werde ich wissen, in welcher Weise ich den Stammbaum Sr. Majestät zu verbessern habe," so schwanden alle Zweifel, und ich sah ohne Furcht und Schrecken mein herannahendes Schicksal voraus. Seit Wochen war ich in der Thal schon müde der langsamen Tortur und des unaufhörlichen Elendes, und so war mir nun, als die Unglück verkündende Warnung kam, die Todtenglocke des scheidenden Lebens nur eine Besteiung von der grausamen birtern Tyrannei und Versetzung in die Herrlichkeit, den Frieden und die Ruhe des Himmels. Unser herzloser Kerkermeister, der, wie ich glaube, nie eine andere Bewegung in seinem versteinerten Busen gefühlt hatte als die, welche von Liebe zu Raub und Plünderung hervorgerufen wurde, bemerkte mitleidig, als er von Herrn Fl ad den Inhalt des Verses vernahm: „Sie sind keine schlechten Leute, aber dies ist ein schlechtes Geschäft." Nach und nach verging die Nacht, und das Tageslicht brach mit seiner erheiternden Sonne und dem geschäftigen Geräusch über die unglücklichen und einsamen Gefangenen herein.*) Da gab es keine Unterhaltung und keinen Austausch der Gedanken, ein Jeder hatte seine Sorgen, die auf seiner Stirn geschrieben standen, und seine bangen Besorgnisse, die er in seinem Herzen verbarg. Jeden Augenblick die verhängnißvolle gerichtliche Vorforderung erwartend, siegte der, durch Gottes Gnade gestärkte Glaube über die Angst des drohenden Todes, und ich durchwachte ruhig und still die dahinfliehenden Stunden der *) Nachher erzählten mir Kapitain Cameron, Flad und Cornelius, daß sie während dieser bangen Stunden oft einen geheimen Blick auf den leeren Grasplatz in der Nähe unsers Zeltes geworfen hätten, um zu sehen, ob der Galgen, an welchem die Opfer her Tyrannei leiden sollten, errichtet würde.