Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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179 eigniß eintreten sollte?" entgegnete mein Zwischenredner. „Die britische Regierung," erwiederte ich, „hat immer die freundlichsten Gefühle gegen Abyssinien genährt, und es könnte sein, daß, wenn sie glaubte, daß religiöse Toleranz die moralische und materielle Wohlfahrt des Landes befördern würde, sie Unterstützung leiste, ohne auf solchem Zugeständniß zu bestehen." S — überbrachte diese Antworten dem Könige, kam dann zurück und sagte in ernstem Tone: „Der Regus hat die Antworten vernommen, und erachtete er es für angemessen, so könnte er Ihnen ein Geheimniß über England mittheilen; aber was liegt daran, die Zeit wird es offenbaren." Mir lag daran, die Bedeutung dieses Geheimnisses zu entdecken, das augenscheinlich ein nachtheiliger Bericht war, der von dem Lügenmunde eines Schmarotzers des Königs überbracht worden war. S— erkannte die Bewegung in mir, und da er wahrlich hinreichende Ursache hatte, einer Erklärung zu entgehen, so leitete er schnell die Fragen in ein neues Gleis, und bestand im Namen Seiner Majestät stolz darauf, daß ich den Namen, oder die Namen derjenigen nennen sollte, die mich mit den Einzelheiten der Abkunft des Königs versehen hätten. Hier entstand ein Wortkrieg. S— suchte geschickt die Namen mir auszupressen, und ich wich behende seinem Nachforschen aus. In seinen Meinungen getäuscht, forderte nun der unwillige Höfling mit Anmaßung, daß ich ihm den Titel sagen sollte, den ich in meinem Buche*) dem Vater des Negus beigelegt hätte. Hier verleitete mich zu große Aufrichtigkeit zu einem bedenklichen Jrrthume, denn anstatt zu sagen, daß ich berichtet hätte, der Vater Seiner Majestät sei der H erzog v. Quara gewesen, erniedrigte ich ihn zu dem Grade eines bloßen „Belloda," Edelmanne, einer Würde, die sich viele verachtete Bauern anmaßen. Dieser Tag von großem Elende nahete endlich seinem Ende und, befreit von unserm Peiniger, konnte ein Jeder nach Belieben über das Schicksal Nachdenken, das ihm seine Einbildungskraft verkündigte. Am Abende brachte unser grausamer Stockmeister Jaques Obey, da er die Nachtwache wieder übernahm, das amharische Neue Testament, und hindeutend auf den letzten Vers des ersten Kapitels in dem Briefe *) Wanderungen unter den Falaschas. 12*