Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 22 (1866)
- Issue
- 11-12 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ITT Religionssachen sind „Hieb- und Feuerwaffen" nur Beweise, daß man nicht mit der Wahrheit, noch für die Wahrheit kämpft. In dem mitgetheilten Briefe des Oberrabbiner von ganz Dagheftan fragt derselbe den Herrn T. „ob man nicht mit der Regierung in Conflict gerathe, wenn man diesen Missionaren hart begegne." Zu welchem „geeigneten Empfang der Herren Seelenhändler" Herr T. seinen Brüdern gerathen habe, sagt er zwar nicht; aber es läßt sich aus dem Ganzen leicht entnehmen. Davon also ist keine Rede, ob das Gebot Gottes: „Du sollst nicht tödten" übertreten würde, wenn die „von Zorn und Wuth entstellten Männer" mit „Hieb- und Feuerwaffen" über „die Herren Seelenhändler" herfallen würden; das würde, scheint es, weder der Oberrabbiner von ganz Dagheftan, noch Herr T., noch der tolerante und humane Rabbiner in Mainz mißbilligen. Was man fürchtet, das ist die Polizei; man fragt nicht: ist's recht vor Gott und vor Seinem allsehenden Auge, sondern nur, „ob man nicht mit der Regierung in Conflict gerathe." Das ist eine Polemik, die des orthodoxen Judenthums im 19. Jahrhunderte würdig ist! In das Wort des Oberrabbiners, daß „so wie ein Lichtstrahl einen ganzen finsteren Schacht erhellt, so schwindet auch eine Menge Lügen vor nur einem einzigen Worte der Wahrheit," stimmen wir getrost ein. Das Licht aber ist kein anderes, als das, von welchem es Psalm 119. Vers 105 heißt: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." Dies Licht, das von dem ausgeht, der da heißt: „Die Sonne der Gerechtigkeit," hat schon manchen finsteren Schacht erhellt; es wird auch fort scheinen und einen jeden Menschen erleuchten, der sich nicht muthwillig in die Finsterniß zurück zieht und seine Augen verschließt. Ebenso stimmen wir auch mit vollem Herzen in den Schlußwunsch ein, daß der Ewige Sich Israels erbarme und es bald die Tröstung Zions sehen lasse. Dann wird die traurige Polemik zwischen Juden und Christen aufhören. Beide sind dann in seligem Frieden vereinigt, weil sie den Frieden angenommen haben, der uns im Evangelio verkündigt wird; Beide singen dann in süßer Harmonie ihre Friedenslieder dem großen Friedensfürsten, der uns den Frieden erworben hat; denn die Strafe lag auf Ihm, auf daß wir Friede hätten. _ 12