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Dibre Emeth · 1866-01-01 · 11-12 (1866) · page 9

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Journal
Dibre Emeth
Volume
22 (1866)
Issue
11-12 (1866)
Date
1866-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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er also: Stern und Brandeis find getaufte Juden, sie sind also von unserm rabbinischen Judenthum abgefallen, jetzt leiden sie Folterqualen, folglich ist das die Strafe Gottes für ihren Abfall. Wie nun aber, wenn ein Jude dieses rabbinische Judenthum gar nicht gekannt hat, und also auch von demselben gar nicht abgefallen ist, und doch gleiche oder ähnliche oder noch härtere Qualen leiden muß? Waren denn etwa die Propheten des alten Testamentes solche rabbinischen Juden wie „der Israelit" sie verlangt? Was hatten sie denn verschuldet, daß sie Gefängniß, Schläge und Tod erdulden mußten! — Waren sie auch „so verstockt, daß sie die strafende Hand Gottes nicht erkannten?" Waren sie auch solche „Unglückselige," die durch ihre Predigt „Viele zur Sünde verleitet," so daß sie „nicht zurückkehren" konnten? Die damaligen Juden, welche die Propheten verfolgten, meinten auch im Rechte zu sein, daß denselben durch Drohen, Schläge, Kerker und Tod die Gelegenheil zu predigen genommen und ihnen auf jede Weise der Mund gestopft werde. Welcher Herzen aber waren verstockt, die der Verfolgten oder die der Verfolger? welche waren in Wahrheit die Unglückseligen, die geschlagenen'und getödteten Propheten, oder ihre Mörder? — Oder wenn Jemand im rabbinischen Judenthum lebt, an demselben festhält und nun doch auch Martern und Qualen dulden muß? Unser Polemiker hat schon im vorigen Jahre angefangen lange Artikel über „die Juden zu Mainz im Mittelalter" zu bringen, in welchen er besonders die vielen und schweren Verfolgungen schildert, welche die damaligen Juden zu erdulden hatten. Es fällt uns keinen Augenblick ein, jene Verfolgungen rechtfertigen, oder die armen Verfolgten und am allerwenigsten Einzelne verurthellen -zu wollen; wenn man aber in allen jenen leidenden Juden lediglich unschuldige Märtyrer zu erblicken meint und gar Nichts von einer „strafenden Hand Gottes erkennt," so will uns denn doch dies befremdlich Vorkommen und zwar um so mehr, da „die strafende Hand Gottes" schon so viele Jahrhunderte auf der ganzen Nation lastet. Ein Anderes ist es mit den Leiden Einzelner und ein Anderes mit denen ganzer Nationen. Israel ist als Nation,„geschlagen und gestraft": denn sie sind aus ihrem Lande vertrieben, und wahrlich nicht um ihrer Gutthaten, sondern um ihrer Sünden willen. So lange sie diese

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